{"id":54,"date":"2020-01-03T11:49:55","date_gmt":"2020-01-03T11:49:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jamavia-blue.de\/?page_id=54"},"modified":"2021-03-20T14:24:38","modified_gmt":"2021-03-20T14:24:38","slug":"anka","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.jamavia-blue.de\/?page_id=54","title":{"rendered":"Anka"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"54\" class=\"elementor elementor-54\" data-elementor-post-type=\"page\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-3e5c9f1c elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"3e5c9f1c\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-29871b7\" data-id=\"29871b7\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-62308588 elementor-drop-cap-yes elementor-drop-cap-view-default elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"62308588\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;drop_cap&quot;:&quot;yes&quot;,&quot;sticky&quot;:&quot;top&quot;,&quot;sticky_parent&quot;:&quot;yes&quot;,&quot;sticky_on&quot;:[&quot;desktop&quot;,&quot;tablet&quot;,&quot;mobile&quot;],&quot;sticky_offset&quot;:0,&quot;sticky_effects_offset&quot;:0,&quot;sticky_anchor_link_offset&quot;:0}\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Den Aufschlag noch gesp\u00fcrt, das Gef\u00fchl von W\u00e4rme um den Kopf noch erlebt, schlie\u00dfe ich meine Augen . . .<\/p>\n<p>Hast du schon geh\u00f6rt, der ehemalige Freund von Anka ist ums Leben gekommen. Er soll von einem Ger\u00fcst gest\u00fcrzt sein, mit dem Kopf auf die Stra\u00dfe aufgeschlagen, kein sch\u00f6ner Anblick. Sie sollen ihn mit dem Kopf in einer Lache von Blut gefunden haben.<br \/>Es gab keine M\u00f6glichkeit ihn zu retten, soll der Notarzt gesagt haben.<\/p>\n<p>Ein Mitarbeiter der Kriminalpolizei klingelt an einer Haust\u00fcr. Ihm \u00f6ffnet eine junge Frau, sie mag ungef\u00e4hr Mitte zwanzig sein.<br \/>Kriminalpolizei, Hauptkommissar Wegner, darf ich reinkommen, fragte der Beamte. Die Frau bittet ihn h\u00f6flich einzutreten. Sie gingen die Treppe nach oben in die Wohnung, den Flur entlang in das Wohnzimmer.<br \/>Warum sind sie hier, fragte die junge Frau. Sie sind Frau Schweigert, fragte Hauptkommissar Wegner? Ja, erwiderte sie, warum fragen sie, was ist eigentlich der Grund, da\u00df sie mich aufsuchen? Kennen Sie eine gewissen Herrn K\u00f6rdhar? Es ist schon lange her, da\u00df ich diesen Namen geh\u00f6rt habe, aber, ja, ich habe ihn gekannt. Er lebte eine Zeitlang bei uns, er war der Freund meiner Mutter. Also sind Sie nicht Frau Schweigert, warf der Beamte ein. Doch, ich bin Narthelia Schweigert, die Tochter von Anka Schweigert. Dann bin ich hier offensichtlich doch richtig.<br \/>Ich habe die undankbare Aufgabe ihnen mitzuteilen, da\u00df Herr K\u00f6rdhar heute Vormittag verungl\u00fcckt ist, er wurde auf einer Baustelle tot aufgefunden. Wir k\u00f6nnen derzeit noch keine Aussagen zu dem eigentlichen Hergang des Unfalls machen. Des Unfalls, fragte die Frau etwas ungl\u00e4ubig. Sind sie sicher, da\u00df es ein Unfall war.<br \/>Zweifeln Sie daran, da\u00df es ein Unfall gewesen sein kann, fragte der Beamte bestimmt. Soweit ich es in Erinnerung habe, war er ein sehr vorsichtiger Mensch, der eher einen Schritt zweimal bedachte, bevor er ihn tat, an einen Unfall kann ich nicht so wirklich glauben.<br \/>Erz\u00e4hlen Sie mir doch mal, Sie scheinen Herrn K\u00f6rdhar n\u00e4her gekannt zu haben.<\/p>\n<p>Und sie begann zu erz\u00e4hlen<\/p>\n<p>Es ist schon ein paar Jahre her, da\u00df ich ihn hier bei uns das erste Mal gesehen habe. Damals war er, wie schon erw\u00e4hnt, noch mit meiner Mutter zusammen. Wenn ich mich zur\u00fcck erinnere, dann war es eine sch\u00f6ne Zeit. Wenn er da war, hat er, haben wir oft etwas zusammen unternommen, wenn er es einrichten konnte. Wir gingen zusammen ins Kino, machten den einen oder anderen Ausflug, waren zusammen im Schwimmbad, fuhren uns die Stadt ansehen und waren sogar zusammen im Urlaub.<br \/>Aber dann kam ein Tag, an dem sich alles \u00e4nderte.<br \/>Meine Mutter hat mir an diesem Tag gesagt, da\u00df er sich nie f\u00fcr uns entscheiden w\u00fcrde und wir nicht darauf zu hoffen brauchten, da\u00df wir wirklich eine Familie werden. Ich habe ihr damals gesagt, da\u00df mir das egal ist. Ich mochte ihn, ob nun als Mann an der Seite meiner Mutter oder als guten Freund, der er f\u00fcr mich war.<br \/>Kurz nach diesem Gespr\u00e4ch, wir waren gerade auf einer Feier im Ort, hat sie diesen anderen Mann mit nach Hause genommen. Ein paar Tage sp\u00e4ter gab sie mir zu verstehen, da\u00df dies jetzt ihr neuer Freund ist und da\u00df Herr K\u00f6rdhar nicht mehr zu uns kommen wird. Ich verstand die Welt nicht mehr. Es war doch, f\u00fcr mich zumindest, alles in Ordnung. Endlich ein Freund an Mutti\u00b4s Seite, der sich auch um mich gek\u00fcmmert hat, der mit mir etwas unternommen hat. Er machte mit mir Hausaufgaben, war sogar zum Elternabend in die Schule. Ich wei\u00df noch, wie er vorbeigekommen ist, weil es mir nicht gut ging, Mutti hatte ihn angerufen und er kam, und k\u00fcmmerte sich um mich. Gut, er konnte meinen Vater nicht ersetzen, das wollte er auch gar nicht aber dennoch war er f\u00fcr mich da, wenn ich ihn um etwas bat.<br \/>Es war eine sch\u00f6ne Zeit f\u00fcr mich und noch lange danach habe ich mir gew\u00fcnscht, sie w\u00e4re zur\u00fcckgekehrt.<br \/>Nun gab es den neuen Freund. Ich hatte ihn zu akzeptieren, hatte sie mir damals unmi\u00dfverst\u00e4ndlich zu verstehen gegeben.<br \/>An einem Tag, meine Mutter war auf der Arbeit und ich allein zu Hause, holte mich Herr K\u00f6rdhar wieder einmal ab, um mit mir etwas Zeit zu verbringen. Dies tat er, trotzdem die Beziehung zu meiner Mutter beendet war, immer unter der Bedingung, da\u00df sie nichts dagegen hat und informiert war, was wir tun wollen und wo ich bin. Wir wollten uns die nahe gelegene Stadt ansehen, einfach in aller Ruhe bummeln gehen.<br \/>Es waren noch keine zehn Minuten her, da\u00df wir von meinem zu Hause entfernt waren, als ich in seinem Auto in Tr\u00e4nen ausbrach. Er fuhr rechts an den Stra\u00dfenrand und hielt an, weil ich nicht mehr aufh\u00f6ren konnte zu weinen. Es war einfach zu viel f\u00fcr mich. Die Emotionen schlugen auf mich ein, ich dachte die Welt bricht \u00fcber mir zusammen. Ich bin mit der gesamten Situation und Entscheidung damals vollkommen \u00fcberfordert gewesen. Mir fehlte einfach die Erfahrung, als Teenager, mitten in den ganzen Gef\u00fchlen, die auf einen in dem Alter ohnehin schon einwirken &#8211; es war einfach zu viel.<br \/>Er nahm mich in den Arm, redete mit ruhiger Stimme auf mich ein, versuchte mich zu tr\u00f6sten und zu beruhigen.<br \/>Es gibt im Leben Entscheidungen, die wir nicht immer verstehen, aber mit denen wir lernen m\u00fcssen zu leben, auch wenn sie uns nicht gefallen und wir sie gern r\u00fcckg\u00e4ngig machen w\u00fcrden. Viel sp\u00e4ter habe ich verstanden, was er damit meinte.<br \/>Ich habe jetzt zwar Einiges von Ihnen geh\u00f6rt \u00fcber fr\u00fchere Situationen, ihre Emotionen und etwas auch \u00fcber Ihre Mutter aber warum sind Sie der Meinung, da\u00df es kein Unfall gewesen sein kann?<br \/>Narthelia antwortet, er hat mir einmal gesagt, egal was auch immer in meinem Leben passieren wird, ich werde irgendwann eines nicht nat\u00fcrlichen Todes sterben.<br \/>&#8222;Nun&#8220;, sagte der Hauptkommissar, &#8222;dies ist zwar ein Argument, aber dennoch kein ausreichender Grund, da\u00df es kein Unfall gewesen sein k\u00f6nnte&#8220;. Nach unseren bisherigen Recherche hat Herr K\u00f6rdhar in den letzten Jahren versucht in verschiedenen Unternehmen eine Arbeit zu finden, was ihm mehr oder weniger gelang. Er war unter anderem bei einer Firma, die Schieferplatten f\u00fcr Fassaden herstellte, doch das Arbeitsverh\u00e4ltnis hat nicht lange gehalten, es waren nur drei Jahre. \u00dcbrigens hat die Firma ihren Sitz noch heute nicht weit von hier entfernt, sie k\u00f6nnten sie kennen, es ist die Firma &#8222;Schiefergold&#8220;, ungef\u00e4hr 5 Kilometer von hier entfernt. Sie hielt kurz inne und \u00fcberlegte. Sollte er es tats\u00e4chlich gewesen sein, der, der mir jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit gefahren bin zugewunken hat, der mir oft an der Bahnschranke begegnet ist. Das kann nicht sein. Hatte meine Mutter doch gesagt, da\u00df er weit weg, irgendwo im Ausland arbeiten sollte.<br \/>Man sah der jungen Frau ihre Unsicherheit und Verwirrung an, waren doch die Erz\u00e4hlungen ihrer Mutter f\u00fcr sie damals absolut glaubw\u00fcrdig. Ich h\u00f6re sie noch sagen, nicht allein, da\u00df er sich nicht f\u00fcr uns entscheiden konnte, er hat sich auch noch aus dem Staub gemacht, einfach abgehauen ist er.<br \/>Narthelia erinnerte sich an eine Situation aus l\u00e4ngst vergangener Zeit. Es war an einem Sonnabend, ihre Mutter sa\u00df vor dem Fernseher und hatte Tr\u00e4nen in den Augen. Ich h\u00f6rte sie leise weinen und mit sich selbst reden, warum ist er jetzt nicht hier, warum mu\u00df ich dieses Wochenende wieder allein sein. Sie hatte gehofft mit ihm wieder ein paar sch\u00f6ne Stunden, ja das ganze Wochenende zusammen sein zu k\u00f6nnen, aber er war wieder einmal nicht da. Warum auch immer er an den Wochenenden nicht kommen konnte, hatte sie mir damals nicht erz\u00e4hlt. Mich hat das nicht so sehr gest\u00f6rt, hatte ich doch meinen Sport und meine Freundinnen, mit denen ich meine Zeit verbringen konnte. Doch in dieser Situation tat sie mir Leid.<br \/>Haben sie vielen Dank, sagte der Hauptkommissar und verabschiedete sich h\u00f6flich. Ich finde allein raus. Im B\u00fcro angekommen, setzte er sich an seinen Schreibtisch und ging die Unterlagen noch einmal durch. Irgendetwas mu\u00df ich \u00fcbersehen haben. Die Aussagen von der Frau Schweigert passen einfach nicht zu dem, was wir bisher zusammengetragen haben. Ich denke ich mu\u00df noch einmal ganz von vorn beginnen.<\/p>\n<p>Ein greller Blitz schlug unweit von mir auf dem Acker ein. Meine Sachen waren schon vollkommen durchn\u00e4\u00dft von dem starken Gewitterregen, aber ich wollte unbedingt wieder nach Hause. Warum mu\u00df mich auch ausgerechnet heute das Auto im Stich lassen und mein Telefon habe ich auch wieder einmal vergessen. Sicherlich macht sich Anka wieder Gedanken, da\u00df ich mich nicht melde, hatte ich ihr doch versprochen nicht sp\u00e4ter als sechs Uhr am Abend bei ihr zu sein und jetzt ist es schon nach halb acht.<br \/>In der Ferne kann ich schon das Dorf sehen, in dem sie mit ihrer Tochter wohnt. Dieses Dorf, schon lange hatte ich mich nicht mehr so geborgen und aufgehoben gef\u00fchlt, wie an diesem Ort. Vor nun schon mehr als sechs Jahren hatte ich Anka kennengelernt. Eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Frau, die mitten im Leben stand. Sie zog ihre Tochter allein gro\u00df, war berufst\u00e4tig, engagierte sich in einem Verein und ging dann noch, wenn es ihre Zeit erlaubte, einem Nebenjob nach. Eine Frau, in die ich mich von Anfang an verliebt hatte.<br \/>Es war an einem lauen Sommertag, als wir uns das erste Mal begegneten. Ich sa\u00df in einem Biergarten, allein in einer Ecke an meinem Tisch und beobachtete die Menschen. Sie kam geradewegs auf mich zu und setzte sich an meinen Tisch. Wir kamen ins Gespr\u00e4ch. Ich wei\u00df heute gar nicht mehr, wor\u00fcber wir uns eigentlich unterhalten haben. Aber nach gef\u00fchlten Tagen, es waren wohl ungef\u00e4hr zwei Stunden vergangen, hatten wir beiden den Eindruck, uns schon einen Ewigkeit zu kennen.<br \/>Ich lade dich hiermit zu mir zu Kaffee und Bratwurst ein, sagte sie, bevor sie sich von mir verabschiedete. Wir hatten ein Date, eine Verabredung.<br \/>Wie lange war es her, da\u00df ich das letzte Mal zu einer Verabredung gegangen bin oder etwa eingeladen wurde, ich konnte mich nicht mehr daran erinnern.<br \/>Die Zeit, bis zu unserem Treffen verging wie im Fluge. Es kam der verabredete Sonntag. Mein Herz begann zu rasen, je dichter ich dem Ort kam. Und da stand sie, mit gro\u00dfen Augen, einem L\u00e4cheln, das einem das Herz aufgehen lie\u00df, und bat mich zu sich in die Wohnung. Es gab den versprochenen Kaffee und ein St\u00fcck selbstgebackenen Kuchen. Ich bin bei diesen Gedanken noch heute so aufgeregt, da\u00df ich gar nicht mehr mit Bestimmtheit sagen kann, ob wir uns damals schon das erste Mal gek\u00fc\u00dft haben.<br \/>Die versprochene Bratwurst gab es auf jeden Fall auch noch aber nicht etwa bei ihr zu Hause, nein, hierf\u00fcr sind wir ein St\u00fcck gefahren. An einer Stra\u00dfe, ringsum uns war Wald, steht eine Gastst\u00e4tte und hier, an einem au\u00dfenstehenden Grill, an dem es das ganze Jahr Bratwurst gab, so wurde mir versichert, bekam ich meine erste, und wie sie sagte einzig echte Bratwurst.<br \/>Nachdem ich das erste St\u00fcck der Wurst probiert hatte, lie\u00df ihre Frage nicht lange auf sich warten. Und, wie ist sie, so eine Bratwurst bekommst du nur bei uns. Ich mu\u00df sagen, sie hatte Recht, wie sich sp\u00e4ter noch herausstellen sollte, eine Eigenschaft, die ihr zu eigen zu sein schien.<br \/>An diesem Tag wollte sie mir noch mehr von ihrer sch\u00f6nen Heimat zeigen. Wir fuhren zu verschiedenen, aus ihrer Sicht interessanten Orte, bis ich sie dann wieder nach Hause brachte. Artig, immer noch sch\u00fcchtern, habe ich mich von ihr verabschiedet, nicht ahnend, da\u00df wir uns sehr bald wieder begegnen sollten.<\/p>\n<p>So ein Mist, fluchte ich laut, es wird Zeit, da\u00df ich Feierabend mache. Es gibt Tage, an den ist es besser man bleibt zu Hause, dachte ich so bei mir. Wenn man sich auf die Zuarbeit anderer Gewerke verl\u00e4\u00dft, dann . . .<\/p>\n<p>Ich packte meine Sachen und fuhr, wie jeden Abend, in mein Hotel. Wenigstens ein Lichtblick heute, die Kollegen wollten sich am Abend im Hotel zu einem kleinen Umtrunk treffen und ein bischen quatschen. Ich war schon vorgefahren, weil ich mich von dem \u00c4rger erst abreagieren mu\u00dfte. Schlie\u00dflich konnten meine Kollegen nichts daf\u00fcr, da\u00df bei mir wieder einmal dicke Luft war.<br \/>Nachdem ich mich geduscht hatte, andere Sachen angezogen, meine waren von der Arbeit verdreckt, ging ich an die Hotelbar. Es war noch niemand weiter zu sehen und ich bestellte mir schon mal einen Kaffee. Alkohol w\u00fcrde es an diesem Abend sicherlich noch gen\u00fcgend geben. Nach ca. einer halben Stunde trudelten die ersten ein.<br \/>Bestell doch schon mal eine Runde, du wei\u00dft doch, da\u00df der Kellner immer etwas Zeit braucht, bis er soweit ist, h\u00f6rte ich Manu sagen. Und \u00fcbrigens ich habe eine \u00dcberraschung f\u00fcr dich. Ja, red\u00b4 du mal, antwortete ich ihr, denn solche Spr\u00fcche hatte sie fast jeden Tag drauf und heraus kam dabei dann ein Gummib\u00e4rchen, ein Keks oder irgend ein anderes St\u00fcck Naschwerk. Sie war halt ein kleiner Komiker und brachte uns oft zum Lachen.<br \/>Pl\u00f6tzlich, ich hatte mich gerade zum Fenster gedreht, hielten mir zwei H\u00e4nde die Augen zu. Ich \u00fcberlegte, wer das wohl sein konnte? Den Geruch der H\u00e4nde konnte ich nicht zuordnen, das Parf\u00fcm, welches mir in die Nase stieg, roch ich heute zum ersten Mal. Es konnte also keiner der Kollegen sein, denn die waren entweder auf den Zimmern, sich den Geruch der Arbeit entfernen und der Rest war ja noch nicht an mir vorbeigekommen.<br \/>Rate doch mal wer ich bin, fragte eine Stimme. Ich w\u00e4re fast vom Hocker gefallen. Anka &#8211; sagte ich erstaunt und verwirrt zugleich. Anka, wo kommst du denn her und was machst du hier? Ich h\u00e4tte ja mit Vielem gerechnet aber nicht, dich hier heute zu sehen&#8220;. Freust du dich, fragte sie mich mit einem \u00fcberw\u00e4ltigenden L\u00e4cheln und gro\u00dfen, strahlenden Augen. Ich konnte ihr gar nicht sagen wie sehr. War ich mir doch nicht sicher, ob und wenn ja wann wir uns nach dem letzten Mal wiedersehen w\u00fcrden. In der Zwischenzeit kam Manu die Treppe herunter. Na, die \u00dcberraschung ist mir doch gelungen oder nicht. Absolut, ich bin vollkommen hin und weg. Deshalb hast du heute den ganzen Tag schon immer so gegrinst auf der Arbeit. Ich dachte mir schon, da\u00df du etwas ausheckst aber darauf w\u00e4re ich im Traum nicht gekommen.<br \/>Wir haben uns beide noch eine Zeit zu den anderen gesetzt und mit ihnen getrunken, dann sind wir auf mein Zimmer gegangen. Am n\u00e4chsten Morgen beim Fr\u00fchst\u00fcck hatte ich das Gef\u00fchl alle sahen nur uns an. Na, war wohl zu wenig Schlaf letzte Nacht oder? Wenn die w\u00fc\u00dften. Wir haben uns beide nur angesehen und geschwiegen. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck ist sie dann noch mit zur Baustelle gekommen und anschlie\u00dfend wieder nach Hause zur\u00fcck gefahren.<\/p>\n<p>Ich wu\u00dfte es, so kann es gewesen sein, sagte Hauptkommissar Wegner laut. Die Abdr\u00fccke auf dem Ger\u00fcst waren nicht eindeutig, es sah so aus, als ob jemand an den Begrenzungsstangen etwas ver\u00e4ndert hat, was auf einen Fehler der Ger\u00fcstbauer oder ein bewu\u00dftes Entfernen schlie\u00dfen l\u00e4\u00dft. Also k\u00f6nnte der K\u00f6rdhar auch selbst die Stange entfernt haben, um nicht \u00fcber das Gel\u00e4nder klettern zu m\u00fcssen. Ingo, das pa\u00dft aber nicht zu den Abdr\u00fccken der SpuSi, sagte sein Kollege Karl-Heinz Brohm. Die haben keine Fingerabdr\u00fccke an der gesamten Gel\u00e4nderfront und auch nicht an der herunterh\u00e4ngenden Stange gefunden und Handschuhe hatte er auch keine an, als er gefunden wurde. Selbst Fu\u00dfspuren, die auf ein Wegrutschen bei dem glatten Unterboden herr\u00fchren k\u00f6nnte waren da keine. Mist, fluchte Hauptkommissar Wegner, ich dachte ich h\u00e4tte endlich den Ansatz f\u00fcr einen Selbstmord. Ich denke immer noch an die Aussage der jungen Frau Schweigert. Irgend etwas stimmt da nicht, das sagt mir mein Bauchgef\u00fchl. Wenn er wirklich so vorsichtig war, wie sie gesagt hat, dann pa\u00dft da was nicht zusammen.<\/p>\n<p>Es wird kalt drau\u00dfen. Der Winter beginnt sich seine Zeit zu erobern. Ich mu\u00df aufpassen, da\u00df ich nicht mit dem Wagen von der Stra\u00dfe abkomme oder noch auf den vor mir fahrenden auffahre.<br \/>Wieder kein Wochenende Zeit f\u00fcr Anka und sie hat es sich so gew\u00fcnscht, da\u00df wir zusammen zum Weihnachtsmarkt fahren. Wenn ich nicht bald etwas unternehme, dann werde ich sie verlieren. Oft genug hat sie jetzt schon Andeutungen gemacht. Da\u00df sie nicht mehr die Wochenenden ohne mich verbringen will, da\u00df ihr das Weihnachtsfest zuwider ist, weil sie dann immer allein da sitzt. Das hat sie nicht verdient, sage ich mir und nehme mir f\u00fcr das kommende Jahr ganz fest vor, mein Leben endlich in den Griff zu bekommen.<br \/>Was h\u00e4ltst du davon, wenn wir zusammen in den Urlaub fahren. das Kind w\u00fcrde sich bestimmt freuen und wir haben endlich einmal mehr Zeit f\u00fcr uns beide. Gesagt, getan, ich ging in das n\u00e4chste Reiseb\u00fcro und buchte f\u00fcr uns drei eine 2 w\u00f6chige Urlaubsreise. Zu Hause bei ihr angekommen, unterbreitete ich ihr die \u00dcberraschung. Offensichtlich hatte ich da die Rechnung ohne sie gemacht. Ich will das nicht, behalte dein Geld f\u00fcr dich. Ich m\u00f6chte nicht, da\u00df du uns was schenkst. Und au\u00dferdem w\u00fcrden wir uns beide sowieso nur in die Haare bekommen, so einen langen Zeitraum mit dir zusammen, da ist der Streit schon vorprogrammiert.<br \/>Ich war wie vor den Kopf gesto\u00dfen, hatte ich mich doch wirklich auf diesen Urlaub mit ihr und der Kleinen gefreut. Warum jetzt auf einmal diese Ablehnung, ich konnte es nicht verstehen und auf eine vern\u00fcnftige Begr\u00fcndung brauchte ich gar nicht zu hoffen, da\u00df h\u00e4tte eher noch mehr Stress gegeben. Also, wieder zur\u00fcck zum Reiseb\u00fcro, ich hatte ihr die Tickets schon sicherheitshalber nicht gezeigt, und das ganze wieder storniert.<br \/>An diesem Abend haben nicht viel miteinander gesprochen. Jeder drehte sich auf seine Seite, versuchte aber auch nicht mit dem anderen ins Gespr\u00e4ch zu kommen, um nicht in irgendeiner Form eine Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr einen neuen Streit zu bieten. Die Sonne schickte ihre ersten Strahlen durch das angekippte Schlafzimmerfenster, ich wurde wach und drehe mich ganz langsam zu ihr herum. Vorsichtig, ihre Haut mehr ertastend denn ber\u00fchrend, streichelte ich ihr den R\u00fccken. Begann mit dem Nacken, \u00fcber die Schultern langsam an der Wirbels\u00e4ule entlang, immer wieder einmal nach rechts und links ausweichend und an den Seiten vorbei ihren Lenden zu. Je weiter ich dabei kam, umso tiefer und schneller wurde ihre Atmung. Sie schien also auch wach zu sein, regte sich aber nicht. Sie schien Gefallen an diesem Spiel zu haben. Als meine Finger bereits kurz vor ihren Beinen waren, drehte sie sich um. Jetzt aber auch von vorn, bitte, fl\u00fcsterte sie mir zu.<\/p>\n<p>Hauptkommissar Werner betrat gerade das B\u00fcro der SpuSi, als ihm ein Kolleg schon entgegenrief, na, du willst bestimmt zu mir wegen dem Fall K\u00f6rdhar. Da scheint noch nicht alles klar zu sein. Wir haben hier schon zusammen gesessen und sind zu dem Ergebnis gekommen, da\u00df es entweder ein perfekter Mord oder ein hervorragend inszenierter Selbstmord gewesen sein mu\u00df. Einen Unfall schlie\u00dfen wir zum derzeitigen Zeitpunkt aus. Das deckt sich genau mit meinen \u00dcberlegungen, nun m\u00fcssen wir nur noch herausfinden, wer oder wie es gemacht wurde. Das ist jetzt dein Job, du willst doch auch was tun oder sollen wir hier alles machen, lachte der Kollege.<br \/>Das Telefon des Kommissars klingelte, am anderen Ende das Krankenhaus, er stand wie angewurzelt da. Das kann nicht sein, der Notarzt hat mir doch best\u00e4tigt, da\u00df er den Sturz nicht \u00fcberlebt hat und jetzt erz\u00e4hlen sie mir, er ist nicht mehr in eurem K\u00fchllager. Was ist denn das f\u00fcr eine Schlamperei, wie konnte das passieren, ein K\u00f6rper macht sich doch nicht selbstst\u00e4ndig, ich bin auf dem Weg zu euch.<br \/>Kurze Zeit sp\u00e4ter war Kommissar Wegner im Krankenhaus, wo ihn schon der betreffende Arzt in Empfang nahm. Wir haben keine wirkliche Erkl\u00e4rung, was hier passiert ist, sagte der Stationsarzt Dr. Kuhn. Der angebliche Leichnam sollte Morgen zur Obduktion in die Gerichtsmedizin \u00fcberf\u00fchrt werden und ist deshalb heute schon soweit vorbereitet worden, gewaschen und in das K\u00fchlfach gelegt. Einer unserer Mitarbeiter hatte wohl die T\u00fcr nicht richtig verschlossen. Als er von seiner Pause zur\u00fcckkam, stand der Schrank auf, der Tisch war ausgefahren und es war kein K\u00f6rper mehr darauf. Wir haben sofort den gesamten Trakt abgesucht, ohne Erfolg. Wie lange ist das jetzt her, fragte der Kommissar bestimmend. So ungef\u00e4hr eine Stunde. Na prima, und da rufen sie mich jetzt erst an, wer wei\u00df was mit ihm in der Zwischenzeit passiert ist, vielleicht haben wir es hier ja auch mit einem Leichenr\u00e4uber zu tun. So eine verdammte Schei\u00dfe! Er rief sofort die Kollegen der Spurensicherung an. Ich hab Arbeit f\u00fcr euch. Aus dem Krankenhaus ist unsere Leiche verschwunden. Sag mir nicht es ist der K\u00f6rdhar, fragte am anderen Ende der Kollege. Genau der. Na das ist doch mal ein Fall, nicht wie die anderen.<br \/>Durch die Nacht huscht eine Gestalt in einem gr\u00fcnen Kittel, sich vor jedem Scheinwerfer versteckend, immer wieder in die Hauseing\u00e4nge fl\u00fcchtend, Richtung Stadtgrenze. Dort angekommen \u00f6ffnet sie den Kofferraum eines Passat, den Schl\u00fcssel hatte sie zuvor unter dem Vorderrad aufgehoben. Mit einem Schwung ist sie im Wagen, l\u00e4\u00dft die R\u00fcckenlehne von Fahrersitz nach hinten fahren, schiebt den Sitz ein St\u00fcck zur\u00fcck, um sich ihrer Kleidung zu entledigen.<br \/>Unterw\u00e4sche, Str\u00fcmpfe, ein Hemd, eine Hose und sogar die Schuhe hatte sie aus dem Kofferraum auf die R\u00fcckbank gelegt. So angezogen, r\u00fcckte sie den Sitz wieder in die richtige Position, startet den Wagen und entkommt in die Dunkelheit.<\/p>\n<p>Wir haben das ganze Krankenhaus abgesucht, keine Spur von dem Gesuchten. Nur im Schwesternzimmer fehlt ein gr\u00fcner Kittel, sagte der Verantwortliche der Bereitschaftspolizei. Dehnt den Suchbereich auf die ganze Stadt aus, es kann doch nicht so schwer sein, einen Mann mit gr\u00fcnem Kittel zu finden, sofern er selbst gelaufen ist, also los jetzt.<\/p>\n<p>Ich habe uns zwei Karten f\u00fcr die Abendveranstaltung vom Karnevalsverein besorgt, la\u00df uns mal wieder ausgehen, sagte Anka. Wir hatten ja noch unsere Kost\u00fcme von der letzten Veranstaltung. Damals hatte wir uns als Vampire verkleidet. Eine Freundin hatte uns ein entsprechendes Makeup verpa\u00dft, soda\u00df uns niemand aus dem Ort erkannte, nicht einmal die engsten Bekannten und Freunde. Wir zogen uns also um und gingen los. Ich freute mich, da\u00df Anka heute so guter Laune war, dies w\u00fcrde bestimmt ein sch\u00f6ner Abend werden. Narthelia haben wir auch mitgenommen, denn ihre Schulkameradin und Freundin wollte noch mit ihren Eltern heute dazukommen. Der Abend verlief feucht fr\u00f6hlich, wir sind von einem Themenraum in den anderen gezogen, haben \u00fcberall mal etwas von den sch\u00f6nen Getr\u00e4nken gekostet.<br \/>Pl\u00f6tzlich sagte Anka, ich will nach Hause. Was mache ich jetzt, Narthelia war auch noch hier, hatte sich aber mit ihrer Freundin in einem anderen Bereich aufgehalten und Anka wollte los. Also schnell noch bei Narthelia vorbei, ihr Bescheid gesagt, ich bringe die Mama nach Hause, hole dich aber dann anschlie\u00dfend ab. Bleib bitte in diesem Raum mit deiner Freundin zusammen. Gesagt getan, wir gingen Richtung Wohnung, pl\u00f6tzlich wollte Anka allein gehen und ich sollte beim Kind bleiben. Sie w\u00fcrde schon allein nach Hause finden. In einem Abstand, sie konnte mich nicht sehen, so sehr war sie mit sich selbst besch\u00e4ftigt, sich auf dem Fu\u00dfg\u00e4ngerweg zu halten, bin ich dann hinter ihr hergegangen. Erst als sie in der Wohnung war drehte ich wieder um und k\u00fcmmerte mich um das Kind.<br \/>Eine Zeit sp\u00e4ter, Narthelia hatte mich gefragt, ob sie mit den Eltern ihrer Freundin mit nach Hause gehen darf, kam ich in die Wohnung. Was ich da vorfand brachte meinen Atmen zum stocken. Anka lag auf dem Fu\u00dfboden im Bad inmitten eine riesigen rotbraunen Lache. Ich wollte erst aufschreien, f\u00fchlte dann aber erst einmal schnell ihren Puls, hob sie aus der Fl\u00fcssigkeit und stellte fest, es war nur der zu viel getrunkene Alkohol, der seinen Weg nach drau\u00dfen gefunden hatte. Sie hatte einen so gro\u00dfen Schutzengel, was h\u00e4tte alles passieren k\u00f6nnen. Mal abgesehen davon, da\u00df sie h\u00e4tte an der Fl\u00fcssigkeit ersticken k\u00f6nnen, k\u00f6nnte sie sich ebenso ihren Kopf aufschlagen. Denn wie ich in der K\u00fcche sp\u00e4ter feststellte, ist sie dort offensichtlich hingefallen und knapp an der Tischkante vorbeigeschrammt.<br \/>Ich zog sie aus, soweit es m\u00f6glich war, legte sie in ihr Bett und deckte sie zu. Sicherheitshalber stellte ich noch ein Sch\u00fcssel, f\u00fcr den Fall, da\u00df da noch etwas \u00fcbrig war um herauszukommen, hin und legte mich neben sie. Diese Nacht habe ich kein Auge zubekommen. Am anderen Morgen, Anka sah etwas verkatert aus, erz\u00e4hlte ich die Story. Du h\u00e4ttest tod sein k\u00f6nnen. So etwas m\u00f6chte ich in meinem Leben nicht noch einmal durchmachen, versprich mir das. Du wei\u00dft, da\u00df ich dich liebe, ich mach mir Sorgen um dich. Ihre Antwort war wieder einmal typisch. \u00b4is doch nix passiert, also, und wenn doch, du h\u00e4ttest dich ja um das Kind gek\u00fcmmert. Sie wu\u00dfte genau, da\u00df mir dieser Satz weh tat, da\u00df ich mich immer um das Kind k\u00fcmmern w\u00fcrde, ebenso wie um sie, weil ich sie liebte.<\/p>\n<p>Doktor, nun erkl\u00e4ren sie mir bitte, wie ein Mensch, den sie f\u00fcr tod halten, aus ihrem K\u00fchlraum verschwinden kann, fragte Kommissar Wegner den Stationsarzt. Es gab ihm keine Ruhe und er hatte auch keine vern\u00fcnftige Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Verschwinden, es sei denn, jemand hat die Leiche mitgenommen. Ich kann es ihnen nicht erkl\u00e4ren. Wir haben einen Mann eingeliefert bekommen, der eine Platzwunde am Kopf und eine Fraktur der Sch\u00e4deldecke hatte. Au\u00dferdem war am gesamten linken Kopfbereich alles voller Blut. Bei der Menge, die mir meine Kollegen vom Unfalldienst beschrieben haben, bin ich davon ausgegangen, da\u00df das Blut aus der Kopfwunde ausgetreten ist. Da werde ich wohl mit meinen Kollegen von der Spurensicherung noch einmal reden m\u00fcssen, dachte sich Kommissar Wegner und verabschiedete sich vom Doktor.<\/p>\n<p>Also Kollegen, jetzt noch mal ganz genau, was habt ihr vor Ort vorgefunden, fragte Wegner den Diensthabenden Kollegen der Spusi. Es gab einen Mann, Anfang bis Mitte sechzig mit einer Kopfwunde an der linken Sch\u00e4delseite und starkem Blutverlust. Ist euch etwas ungew\u00f6hnlich dabei vorgekommen, war irgendetwas, was eurer Meinung nach nicht gestimmt hat?<br \/>Naja, also der starke Blutverlust war schon merkw\u00fcrdig. Bei der Menge, die um seinen Kopf herum auf der Stra\u00dfe zu sehen war, h\u00e4tte die Gesichts- und Hautfarbe blasser sein m\u00fcssen. Und, fragte Wegner, habt ihr euch das Blut mal angesehen? Nein, haben wir nicht, aber wir haben ja seine Sachen noch hier, an denen sind genug Reste, ich untersuche sie gleich. Und bitte vergleiche sie auch mit der Blutprobe, die ihr von dem Mann gemacht habt oder habt ihr etwa keine.<br \/>Doch, das ist Vorschrift, eine Blutprobe wird immer genommen bei solchen Umst\u00e4nden.<br \/>Am n\u00e4chsten Morgen lag das Ergebnis des Vergleichs der Blutprobe mit dem Blut am Kopf vor. Bei den beiden uns vorliegenden handelt es sich um menschliches Blut. Die erste Probe ist von der Kleidung entnommen und ist Blutgruppe A negativ, die zweite Probe ist von dem Mann direkt aus dem Unterarm noch vor Ort entnommen worden und ist Blutgruppe Null. Beide Proben sind also von unterschiedlichen Personen. Jetzt wird die Welt verr\u00fcckt, sagte Kommissar Wegner, da hat uns doch jemand tats\u00e4chlich etwas untergeschoben. Also kein Selbstmord, wie die Frau Schweigert vermutet hatte. Entweder wei\u00df sie mehr, als sie mir gesagt hat oder . . . , ich mu\u00df noch einmal zu ihr hin.<br \/>Guten Tag Frau Schweigert, sch\u00f6n da\u00df ich sie heute beide antreffe, ich h\u00e4tte da noch ein paar Fragen bez\u00fcglich des Herrn K\u00f6rdhar. Sie sind jetzt Frau Anka Schweigert, richtig. Ja, das bin ich und wie kann ich ihnen weiterhelfen. Meine Tochter hat mir bereits erz\u00e4hlt, da\u00df sie bei uns waren wegen eines Herrn K\u00f6rdhar. Der Name ist mir nicht wirklich gel\u00e4ufig. Frau Schweigert, bitte, ich wei\u00df von ihrer Tochter, da\u00df sie beide zusammen gelebt haben und nun wollen sie hier wirklich behaupten, sie kennen den Mann nur fl\u00fcchtig? Das pa\u00dft doch nun \u00fcberhaupt nicht zusammen. Sie haben jetzt folgende M\u00f6glichkeit, entweder, wir fangen hier noch einmal von vorne an oder sie kommen mit mir zusammen in unser B\u00fcro, was ist ihnen lieber?<br \/>Ja, ich gebe ja zu, da\u00df ich mit Herrn K\u00f6rdhar zusammen gelebt habe, eine sehr lange Zeit sogar, aber irgendwann habe ich das nicht mehr ausgehalten. St\u00e4ndig war er unterwegs, kaum habe ich etwas von ihm gehabt. An den Wochenende und vor allem an den Feiertagen war ich allein. Ich hatte es satt, da habe ich mir einen anderen Mann gesucht. Wie ist Herr K\u00f6rdhar damit umgegangen, nach so einer langen Zeit? Wie ich von ihrer Tochter erfuhr, hat er sie geliebt oder ist das nicht richtig. Ja, er hat mich geliebt und ich ihn auch aber mit der Zeit war ich immer unzufriedener mit der Situation. Ich wollte einfach eine Ver\u00e4nderung.<br \/>Haben sie ihn denn vor die Alternative gestellt sich zu entscheiden? Ich hatte ihm oft zu verstehen gegeben, da\u00df ich mit unserem Zusammenleben nicht mehr zufrieden bin. Nein, meine Frage war, haben sie ihn direkt gefragt &#8211; entscheide dich. Eine solche Frage gibt eine definitive Klarheit, denn da gibt es kein vielleicht, sondern nur ein ja oder nein.<br \/>Nein, diese Frage habe ich ihm nicht gestellt. Gut, also, sie haben sich getrennt. Haben sie ihn danach noch wieder gesehen? Ja, wir haben uns noch zwei oder dreimal getroffen. Er kam mit der neuen Situation und dem neuen Lebensgef\u00e4hrten \u00fcberhaupt nicht klar. Er hat mir hinterher in einem Brief noch versucht verst\u00e4ndlich zu machen, da\u00df er sich jetzt endg\u00fcltig f\u00fcr mich und meine Tochter entschieden habe, nur war meine Entscheidung da schon gefallen und ich wollte kein Zur\u00fcck mehr. Zu einer Freundin von mir soll er sogar gesagt haben, da\u00df ihm sein Leben jetzt egal sei, wenn er mich verliert, dann verliere er auch seinen Lebensmittelpunkt. Ich habe dem Ganzen nicht zu viel beigemessen. Es war vorbei, ich hatte meinen neuen Partner und war mit ihm gl\u00fccklich.<br \/>Nun, da\u00df ist aus meiner Sicht aber schon ein hochgradiges Motiv f\u00fcr einen Selbstmord, wenn er sie so geliebt hat und dann mit einem Mal alles um ihn herum wegbricht, da habe ich schon geringere Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Suizid gesehen. Und danach, gab es danach noch Kontakt zu ihm? Nein, ich hatte danach keinen Kontakt mehr. Er schrieb zwar immer noch Emails, in denen er mir beteuerte, da\u00df er mich liebt, ich habe sie aber nicht beantwortet. Aber gelesen haben sie sie schon? Ja, aber wie gesagt, ich habe nicht geantwortet.<\/p>\n<p>Das Handy klingelt, am anderen Ende ist wieder einmal sein Kollege. Ingo, ich glaube, wir haben da etwas \u00fcbersehen. Wegner verabschiedet sich von der Frau, setzt sich in sein Auto und f\u00e4hrt los.<br \/>Nun bin ich gespannt, was du f\u00fcr Neuigkeiten hast, sagte Wegner, als er das B\u00fcro betrat. Folgendes haben wir gefunden. Das Ger\u00fcst ist doch manipuliert worden, einer der Arbeiter hat uns best\u00e4tigt, da\u00df am Tag zuvor, es war eigentlich schon nach Feierabend aber die Jungs mu\u00dften wohl was nacharbeiten, ein Mann auf der Baustelle war und in der N\u00e4he des Ger\u00fcstes gesehen wurde. Die Beschreibung pa\u00dft auf unseren K\u00f6rdhar. Das w\u00fcrde ja hei\u00dfen, K\u00f6rdhar selbst k\u00f6nnte am Ger\u00fcst gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten die Handwerke genau an dem Abschnitt, an dem am anderen Tag die Querstrebe an der einen Seite heruntergelassen war. Ihnen w\u00e4re also aufgefallen, wenn dort etwas nicht gestimmt h\u00e4tte, sie haben so einen &#8222;scharfen Hund&#8220; als Vorarbeiter, der l\u00e4\u00dft solche Dinge, wie eine nicht ordnungsgem\u00e4\u00df befestigte Querstrebe auf keinen Fall durchgehen, wurde uns von mehreren versichert.<br \/>Nehmen wir also mal an, der K\u00f6rdhar selbst geht noch einmal auf die Baustelle, zieht sich Handschuhe an und manipuliert das Ger\u00fcst. Er besorgt sich eine Konserve mit menschlichem Blut. Am n\u00e4chsten Morgen, noch bevor die Handwerker mit ihrer Arbeit beginnen, nimmt er die Konserve, l\u00e4\u00dft das Blut auf den Steinen auslaufen und steigt dann auf das Ger\u00fcst, um sich von dort herunter zu st\u00fcrzen.<br \/>Deine Theorie ist gut, nur hat sie einen Haken, wenn er tats\u00e4chlich von der H\u00f6he gesprungen oder gefallen ist, dann w\u00e4re er wirklich tot. Dann kann er gar nicht von da oben gefallen sein, sondern mu\u00df sich von weiter unter haben fallen lassen, soda\u00df er zwar mit dem Kopf hart aufgeschlagen ist, was die Fraktur am Sch\u00e4del erkl\u00e4rt aber nicht stark genug, um lebensgef\u00e4hrlich verletzt zu sein. Auch nicht schlecht, aber wieder haben wir etwas \u00fcbersehen, wie konnte der Arzt ihn f\u00fcr tod halten, als er ihn untersucht hat? Ich fahre noch einmal ins Krankenhaus.<br \/>Sie schon wieder, was gibt es denn jetzt noch, fragte der Stationsarzt missgelaunt. Eine Frage, Herr Doktor, wie kann es sein, da\u00df der eintreffende Arzt bei dem Unfall von Herrn K\u00f6rdhar dessen Tod diagnostiziert hat, wenn er gar nicht tod war? Es gibt unter ganz seltenen Umst\u00e4nden ein Ph\u00e4nomen, bei dem der Patient in eine Art Totenstarre verf\u00e4llt.<br \/>Hierbei sind alle K\u00f6rperfunktionen soweit reduziert, da\u00df man mit herk\u00f6mmlichen Mittel ihn f\u00fcr tod erkl\u00e4ren w\u00fcrde. Der Patient hat weder einen sp\u00fcrbaren noch messbaren Puls und seine Pupillenaktivit\u00e4ten sind gleich Null.<br \/>Es kann also sein, da\u00df, unter gewissen, \u00e4u\u00dferst selten vorkommenden Umst\u00e4nden, sie einen Menschen f\u00fcr tod erkl\u00e4ren lassen, der in Wirklichkeit noch lebt? Ja, so etwas kann vorkommen. Deshalb werden die Patienten grunds\u00e4tzlich nicht am ersten Tag obduziert. Sollte keine Obduktion angeordnet sein, sondern der Leichnam sofort freigegeben und zum Bestatter gehen, dann wird er auch dort eine Zeit lang aufbewahrt.<br \/>Wir haben es hier also mit einem perfekten Selbstmord zutun, der gar keiner ist? Fehlt uns jetzt nur noch die Leiche, die auch keine ist. Vielen Dank f\u00fcr die Ausf\u00fchrung, Doktor.<br \/>Im B\u00fcro zur\u00fcck setzt sich Kommissar Wegner an seinen PC und ruft alle ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Informationen zu K\u00f6rdhar auf. Wegner schreit, &#8211; nichts, gar nichts, &#8211; ist der Mann ein Phantom? Es gibt nicht einmal einen Strafzettel wegen falsch parken bei ihm. Karl-Heinz, wir brauchen unbedingt Unterlagen von dem K\u00f6rdhar, Arztberichte, Zahnarztunterlagen, was auch immer du auftreiben kannst. Frag beim Einwohnermeldeamt nach wann und wo er gewohnt hat, frage Nachbarn, Eltern, Familie, der Mann mu\u00df doch irgendwo gelebt haben.<br \/>Es war ein sch\u00f6ner Sommertag, die Sonne stand hoch am Horizont und in der Luft lag der Duft von frisch gem\u00e4htem Gras. Was h\u00e4ltst du davon, wenn wir heute mal Picknick im Freien machen, statt auf dem Balkon, sagte Anka zu mir. Eine gute Idee. Ja, gute Ideen, das ist ihr Ding, immer hatte sie einen Einfall, der mich \u00fcberraschte. Wir machten uns also einen Rucksack zurecht, nahmen belegte Brote, eine kleine Flasche Sekt, etwas Alkoholfreies f\u00fcr Narthelia mit und fuhren geradewegs zu einer Stelle an einem kleinen Bach. Dort angekommen, legten wir eine Decke auf das Gras und machten es uns gem\u00fctlich. Narthelia hatte die Kamera mitgenommen und machte von uns, der Umgebung und dem Bachlauf ein paar Aufnahmen.<br \/>Ich legte meinen Kopf in Ankas Scho\u00df, sie legte ihre Arme um mich und ich wahr, ohne es richtig bemerkt zu haben, von den Sonnenstrahlen gew\u00e4rmt, bei ihr eingeschlafen. Hey, hier wird nicht geschlafen, daf\u00fcr h\u00e4tten wir auch zu Hause bleiben k\u00f6nnen, sagte sie leise zu mir, aber immer noch laut genug, da\u00df ich sofort hochschreckte. Ich habe doch gar nicht geschlafen. Na dann mu\u00df wohl die Decke eben gerade geschnarcht haben l\u00e4chelte sie mich an.<br \/>Es war mir nicht bewu\u00dft, da\u00df ich fast zehn Minuten, dicht an ihr angekuschelt, ihre N\u00e4he und W\u00e4rme sp\u00fcrend, in den s\u00fc\u00dfesten Tr\u00e4umen lag. Jetzt la\u00df uns etwas essen und den Sekt sollten wir auch trinken, sonst wird er warm. Narthelia kam gerade zum richtigen Zeitpunkt wieder zur\u00fcck von ihrer Fototour und wir konnten zusammen unsere mitgebrachten Brote und die Getr\u00e4nke genie\u00dfen.<br \/>Guten Morgen Herr Hauptkommissar, ich habe da ein Schreiben von den Kollegen der Verkehrspolizei. Dies ist die Mordkommission oder bin ich zu schnell gefahren? Nein, nein, die haben ein Foto von einer Geschwindigkeitskontrolle von dem Tag, als K\u00f6rdhar verschwunden ist, auf dem ein Mann zu sehen ist, der in einem Passat sitzt. Ich dachte, da\u00df k\u00f6nnte sie interessieren. Geben sie mal her. Tats\u00e4chlich, das ist unser Mann. Von wann ist denn die Aufnahme, ah ja, am Vormittag um halb zehn auf der Stra\u00dfe nach Norden zur Stadtgrenze. Da haben wir wenigstens mal einen Anhaltspunkt, wo wir weiter suchen k\u00f6nnen. Danke f\u00fcr die Information, Kollege.<br \/>Karl-Heinz, frag doch mal bitte bei der Kfz-Stelle nach, auf wen der Passat zugelassen ist, vielleicht bringt uns das weiter. Eine Stunde sp\u00e4ter kam die Antwort der Beh\u00f6rde. Der Wagen war auf eine Frau Schweigert zugelassen. Warum war, fragte Wegner. Er ist seit mehr als drei Jahren still gelegt und d\u00fcrfte gar nicht auf der Stra\u00dfe sein. Ja aber irgendwo mu\u00df doch das Auto die ganze Zeit gestanden haben, da\u00df es jemandem aufgefallen ist. Normalerweise sind die Kollegen von der Streife oder das Ordnungsamt doch hinter solchen Fahrzeugen her, ich verstehe das nicht.<br \/>Also ich fahre noch einmal zu dieser Frau Schweigert. Ich werde das Gef\u00fchl nicht los, da\u00df sie noch mehr wei\u00df, als sie uns bis jetzt gesagt hat. Eine Stunde sp\u00e4ter klingelt Kommissar Wegner an der Haust\u00fcr der Familie Schweigert. Anka Schweigert \u00f6ffnet die T\u00fcr. Was wollen sie denn schon wieder hier, haben sie uns nicht schon genug bel\u00e4stigt, irgendwann mu\u00df doch mal Schlu\u00df sein.<br \/>Ich denke, sie haben mir nicht die ganze Wahrheit gesagt, Frau Schweigert, darf ich also noch einmal reinkommen oder wollen wir das vor der Haust\u00fcr kl\u00e4ren, damit die Nachbarn auch mith\u00f6ren k\u00f6nnen. Kommen sie schon rein, die Nachbarn quatschen eh schon \u00fcber mich wegen ihres st\u00e4ndigen Besuches.<br \/>Frau Schweigert, wir haben einen Passat ausfindig machen k\u00f6nnen, der auf sie zugelassen ist, stimmt das? Ja, ich habe einen Passat, der ist aber nun schon seit mehr als drei Jahren abgemeldet. Und wo genau haben sie das Fahrzeug abgestellt? Er steht bei meinem Freund in der Scheune.<br \/>K\u00f6nnen wir uns diese Scheune einmal ansehen, ist es weit von hier? Nein, ungef\u00e4hr f\u00fcnf Minuten Fu\u00dfweg. Dann m\u00f6chte ich sei bitten, da\u00df sie mich dorthin begleiten, ich m\u00f6chte mich davon \u00fcberzeugen, da\u00df das Auto noch dort steht. Wenn es denn sein mu\u00df zeige ich ihnen die Scheune. Nach einem kurzen Spaziergang durch das Dorf kommen sie an besagter Scheune an. Sie macht das Tor auf und starrt ungl\u00e4ubig in einen leeren Raum. Das verstehe ich nicht, der Wagen war doch vor zwei Wochen noch hier drin. Ich habe ihn selbst gesehen. Hat denn au\u00dfer ihnen noch jemand Anderes einen Schl\u00fcssel f\u00fcr das Schlo\u00df? Mein Vater hat einen, weil er ab und an hier an seinem Auto schraubt und nat\u00fcrlich mein Freund. Ich m\u00f6chte sie bitten, da\u00df sie die beiden jetzt gleich anrufen, sie sollen mit ihren Schl\u00fcsseln hier herkommen. Einer mu\u00df ja aufgeschlossen haben, denn augenscheinlich ist das Schlo\u00df nicht aufgebrochen worden.<br \/>Es dauert fast eine Stunde, dann sind der Freund und der Vater von Frau Schweigert an der Scheune angekommen. Guten Tag meine Herren, mein Name ist Hauptkommissar Wegner, ich untersuche den Selbstmord an Herr K\u00f6rdhar, wie sie ja sicherlich wissen. Frau Schweigert hat mir gesagt, da\u00df sie beide einen Schl\u00fcssel f\u00fcr diese Scheune besitzen, k\u00f6nnte ich diese bitte einmal sehen.<br \/>Der Vater kramte in seiner Hosentasche und zog ein Schl\u00fcsselbund heraus. Meinen sie diesen hier, am Bund war ein etwas verrosteter alter Schl\u00fcssel, den er hochhielt. Wenn dieser Schl\u00fcssel in das Schlo\u00df der Scheune pa\u00dft, dann meine ich den. Er steckt den Schl\u00fcssel in das Schlo\u00df, dreht ihn langsam herum und das Schlo\u00df springt auf.<br \/>So, nun zu ihrem Schl\u00fcssel. W\u00fcrden sie ihn bitte auch in das Schlo\u00df stecken, damit ich sehen kann, da\u00df sie den richtigen dabei haben, sagte Wegner zum Freund von Frau Schweigert. Es dauerte eine ganze Zeit, dann zuckte er mit den Schultern, es tut mir leid, aber ich habe den Schl\u00fcssel wohl verloren, an meinem Bund ist er jedenfalls nicht und ich hatte ihn extra daran festgemacht, damit ich ihn nicht verliere. Ich bin so selten in der Scheune, ich glaube das letzte Mal war vor einem Jahr oder so.<br \/>Da haben wir ein Problem, denn der Wagen, der hier stehen sollte, ist offensichtlich entwendet worden und einer Straftat zuzuordnen. Ich m\u00f6chte sie daher bitten genau zu \u00fcberlegen, wann sie das letzte Mal mit ihrem Schl\u00fcssel dieses Schlo\u00df ge\u00f6ffnet haben. Ich erwarte sie Morgen um neun in meinem B\u00fcro, hier ist meine Karte mit der Adresse.<br \/>Ich hatte es geschafft, unentdeckt von allen bin ich aus dem Krankenhaus entkommen. Hatte die alte Kr\u00e4uterhexe doch Recht behalten mit ihrem Mittelchen. Es w\u00e4re aber auch um ein Haar schief gegangen mit dem Sturz. Ein St\u00fcck h\u00f6her und ich h\u00e4tte mir wirklich meinen Sch\u00e4del gebrochen, so ist es, Gott sei Dank, nur dieser kleine Bruch, der verheilt wieder von selbst. Die Blutung hat ja auch schon aufgeh\u00f6rt. Da hatte ich ja richtig Gl\u00fcck, da\u00df der Freund von Anka bei der letzten Dorffeier einen \u00fcber den Durst getrunken hat und deshalb nicht bemerkt hat, wie ich ihm den Schl\u00fcssel von der Scheune aus der Tasche gezogen habe.<br \/>Da\u00df niemand bemerkt hat, wie ich den Wagen dort herausgeholt und aus dem Ort gefahren habe wundert mich schon. Sonst sind in dem Dorf doch alle so neugierig und bekommen jede Kleinigkeit mit. Egal wann man nach Hause kommt, mit wem man am Tag oder selbst in der Nacht durch die Stra\u00dfen geht, einer ist immer am Fenster und beobachtet etwas. Da hatte ich wohl diesmal richtig Gl\u00fcck. Jetzt werde ich erst einmal in der Tankstelle duschen gehen. Hier kenne ich mich wenigsten aus. Es gibt noch keine \u00dcberwachungskameras weder au\u00dfen noch innen, der P\u00e4chter ist schon ein alter Mann fast so alt wie das Geb\u00e4ude hier.<br \/>Guten Morgen Herr Hauptkommissar, ich sollte mich bei ihnen melden, wegen dem Schl\u00fcssel. Kommen sie rein, sagte Wegner ungehalten. Und, ist ihnen nun eingefallen, wo der Schl\u00fcssel ist oder wo sie ihn verloren haben k\u00f6nnten? Leider nicht, ich hatte ihn, glaube ich, noch vor dem letzten Fest im Dorf aber dann? Ich mu\u00df zugeben, ich war vollkommen betrunken an dem Abend, ich wei\u00df nicht einmal mehr wann und wie ich nach Hause gekommen bin. Und sie meinen auf diesem fest hatten sie den Schl\u00fcssel noch? Ich denke schon, er war an einem Schl\u00fcsselband von VW angebracht und das hin immer etwas aus der Hose heraus. Kann sein, da\u00df es mir jemand aus der Tasche gezogen hat, eine andere Erkl\u00e4rung habe ich nicht.<br \/>So, betrunken also und der Schl\u00fcssel hing an einem Schl\u00fcsselband aus ihrer Hose. Da k\u00f6nnen sie ja an jedem Strauch mit dem Band h\u00e4ngengeblieben sein und ihn dort verloren haben. Mann, sie sind mir eine gro\u00dfe Hilfe. Gehen sie wieder nach Hause. Ich melde mich bei Ihnen, wenn ich sie noch einmal brauche.<br \/>Also hat dieser K\u00f6rdhar entweder den Schl\u00fcssel gefunden und wu\u00dfte, da\u00df er zu der Scheune geh\u00f6rt oder er hat den Mann beobachtet. Als er mitbekommen hat, da\u00df der ohnehin schon vollkommen neben sich war, hat er ihm den Schl\u00fcssel am Band aus der Hosentasche gezogen.<br \/>Solange wir den K\u00f6rdhar nicht haben, werden wir wohl hierauf keine Antwort bekommen, es sei denn wir finden einen Zeugen, der ihn dabei beobachtet hat. Karl-Heinz la\u00df uns noch einmal in das Dorf fahren, eventuell haben wir ja Gl\u00fcck. Die Leute in den D\u00f6rfern sind immer neugierig, vielleicht hat ja einer etwas gesehen.<\/p>\n<p>Die Maschine ist gerade im Landeanflug auf den Flughafen von Gantenberg. Ein bi\u00dfchen wackelt sie mit den Tragfl\u00e4chen, hier ist es immer etwas windig und der Pilot versucht dagegen zu steuern. Ein etwas harter \u201etouch down\u201c und die Maschine ist sicher gelandet. Anka und Narthelia steigen aus und nach einer kurzen Zeit, sie mu\u00dften noch durch die Pa\u00dfkontrolle und den Zoll, stehen beide in der Ankunftshalle. wie verabredet klingenln sie K\u00f6rhar an, der ruft umgehend zur\u00fcck. Wir sind angekommen, du wolltest uns doch abholen, wo bist du, fragte Anka. Ich stehe am Flughafen in der Ankunftshalle, kann euch aber nicht sehen. Was seht ihr denn neben euch,fragte K\u00f6rdhar. Also hier ist gleich der Ausgang, die Halle ist nicht so gro\u00df. Wie, nicht so gro\u00df, das sind zwei Etagen. Auf keinen Fall, das ist hier mehr eine Baracke, als ein Terminal. K\u00f6nnt ihr bitte mal jemanden fragen, in welchem Flughafen ihr seid.<br \/>Anka gab ihr Telefon weiter und K\u00f6rdhar h\u00f6rte eine junge Frauenstimme sich mit ihm in Englisch unterhalten. Sie erkl\u00e4rte mir, da\u00df sie sich am Cityflughafen befindet, K\u00f6rdharaber war am internationalen Airport. Es gab also ganz offensichtlich zwei Flugh\u00e4fen in dieser Stadt, von denen seine Kollegen nichts gesagt hatten. Also nahm er sein Auto und fuhr von einem Ende der Stadt zum anderen. Warum dieser kleine Flughafen, er hatte nur eine Bahn, die gleichzeitig Start- und Landebahn war, \u201eCity\u201c Flughafen hie\u00df, hatte er ehrlich gesagt nicht verstanden, war er doch gut zehn Kilometer au\u00dferhalb der Stadt.<br \/>Hattest du nicht gesagt es gibt nur einen Flughafen hier, war die Begr\u00fc\u00dfung. Ja, das hatte ich gedacht, ist dann wohl nicht so aber ich habe euch ja jetzt gefunden. War \u00fcbrigens eine clevere Idee, der jungen Frau dein Handy hinzuhalten. Da seid ihr ja um die Fragerei in Englisch herumgekommen, gewu\u00dft wie, schlaue M\u00e4dchen. Nun, la\u00dft uns zum Hotel fahren, ihr seid bestimmt schon lange unterwegs. Ja, seit heute Morgen um halb f\u00fcnf, da sind wir von zu Hause losgefahren. Die Kleine hat im Auto auf dem Weg zum Flughafen etwas geschlafen. Ich mu\u00dfte ja fahren, sagte Anka. Am Hotel angekommen staunten beide nicht schlecht. Es war eines der sch\u00f6nsten Hotels hier in der Stadt. Zwei gro\u00dfe T\u00fcrme ragten in den Himmel. Hier werden wir das Wochenende schlafen. Ich habe extra ein Zimmer in der obersten Etage gemietet, damit ihr eine sch\u00f6ne Aussicht auf die Stadt habt.<br \/>Ganten Towers nennt sich das Hotel und es gibt ganz oben ein wundersch\u00f6nes Restaurant, von dem aus man die ganze Stadt sehen kann. Besonders abends ist der Ausblick ein Traum. Ich habe uns f\u00fcr heute gleich einen Tisch reserviert, hier ist es immer voll, habe ich mir sagen lassen. Am Abend waren wir dann gemeinsam im Restaurant. Der Ausblick war fantastisch, Anka konnte sich nicht satt sehen an der Skyline der Stadt und Narthelia fand den gl\u00e4sernen Aufzug am sch\u00f6nsten, mit dem wir, au\u00dferhalb des Hotels, an der Hauswand hochgefahren sind. Die Menschen werden immer kleiner, wie kleine Ameisen sehen sie von hier oben aus, das ist lustig, sagte sie mit einem Strahlen in den Augen.<\/p>\n<p>Entschuldigen sie, haben sie zuf\u00e4llig in der Nacht vom Samstag zu Sonntag vor einer Woche den Passat von der Frau Schweigert wegfahren sehen oder mitbekommen, da\u00df jemand an der Scheune war und dort das Auto herausgeholt hat, fragte Wegner eine \u00e4ltere Frau, die gerade aus dem Fenster sah. Nein, habe ich nicht aber fragen sie mal den Nachbarn, der kann von seinem Fenster aus direkt auf die Scheune sehen, vielleicht kann er ihnen weiter helfen. Wegner klingelte an der Haust\u00fcr des Nachbarn, wartete eine Weile, niemand \u00f6ffnete. Scheint wohl keiner da zu sein. Wir werden es sp\u00e4ter noch einmal versuchen, sagte er zu seinem Kollegen.<br \/>Wollen sie zum alten Maar, der ist um diese Zeit immer mit seinem Hund oben auf der Wiese spazieren. Wenn sie in eine Stunde noch mal wiederkommen, dann m\u00fc\u00dfte er zur\u00fcck sein, sagte ein Schuljunge, der auf der anderen Stra\u00dfenseite beobachtet hatte, wie Hauptkommissar Wegner an der T\u00fcr klingelte.<br \/>Dankesch\u00f6n, das ist aber nett von dir. Du kennst dich wohl hier aus? Ja, ich wohne zwei H\u00e4user weiter und helfe dem alten Maar ab und zu. Er kann nicht mehr so schwer tragen und da mache ich f\u00fcr ihn den Einkauf, wenn er mal was braucht. Seine Frau ist ja schon vor ein paar Jahren gestorben und nun hat er niemanden, der ihm hilft. Ach so, da hat er wohl auch keine Kinder, die ihm helfen k\u00f6nnten? Doch, aber die sind ganz selten hier, ich habe sie bestimmt ein halbes Jahre nicht mehr gesehen.<br \/>La\u00df uns irgendwo einen Kaffee trinken gehen, ich habe da eine Kneipe an der Stra\u00dfe gesehen, die ist glaube ich sogar offen, sagte sein Kollege Brohm. Wir werden dann sp\u00e4ter zum alten Maar gehen.<br \/>Nach dem Kaffee gingen die beiden Polizisten zur\u00fcck und versuchten ihr Gl\u00fcck erneut. Dieses Mal war der alte Mann zu Hause. Guten Tag Herr Maar, wir sind von der Polizei und h\u00e4tten ein paar Fragen zum letzten Dorffest. Ob ich ihnen da weiterhelfen kann, kommen sie erst einmal herein und nehmen sie Platz. Worum geht es denn? Sie wissen, da\u00df Herr K\u00f6rdhar einen Unfall hatte und von einem Ger\u00fcst gest\u00fcrzt ist. In Diesem Zusammenhang suchen wir nach Zeugen, die uns etwas \u00fcber das Dorffest sagen k\u00f6nnen. Bei diesem Fest soll der Freund von Anka Schweigert ziemlich betrunken gewesen sein und es w\u00e4re m\u00f6glich, da\u00df er in diesem Zustand einen Schl\u00fcssel aus seiner Tasche verloren hat, haben sie etwas in diese Richtung gesehen?<br \/>Ich kann mich erinnern, da\u00df er einen \u00fcber den Durst getrunken haben mu\u00df, so wie er schwankte, aber ob er seinen Schl\u00fcssel verloren hat, das habe ich nicht gesehen. Allerdings war Herr K\u00f6rdhar kurz bei ihm und hat mit ihm gesprochen, so sah es jedenfalls f\u00fcr mich aus.<br \/>Haben sie vielen Dank, sie haben uns mit ihrer Aussage sehr geholfen, sagte Kommissar Brohm und die beiden Herren verabschiedeten sich.<br \/>Er hat also den Schl\u00fcssel nicht verloren, sondern K\u00f6rdhar hat ihm den Sch\u00fcssel aus der Tasche gezogen, wie wir vermutet hatten. Das bedeutet, er hat sich damit Zugang zur Scheune verschafft und den Wagen entwendet. Ein Wunder, da\u00df ihn dabei keiner gesehen hat. Er mu\u00df es entweder im Trubel des Festes oder ganz fr\u00fch morgens, als alle noch im Schlaf lagen, getan haben.<br \/>Stunden sp\u00e4ter, es war schon kurz vor zehn Uhr abends, fuhr Blaulicht durch das Dorf. Die beiden Kommissare versuchten dem Wagen und der Sirene zu folgen. Das ist gar nicht so weit weg von hier, sagte Kommissar Brohm, la\u00df uns nachsehen, was da los ist, wenn wir schon hier sind. Beide liefen mit schnellen Schritten in Richtung des Martinshorns. Als sie um die Hausecke bogen, sahen sie eine Menschentraube, die einen Mann anstarrten, der an einem Seil hing.<br \/>Gehen sie bitte beiseite, sagte Hauptkommissar Wegner, wir sind von der Polizei. Das kann nicht wahr sein, sagte er zu seinem Kollegen, ruf den Notarzt an und die Spurensicherung. Das ist K\u00f6rdhar, er hat sich mit einem Strick an das Gel\u00e4nder vom Balkon gebunden und schein dann herunter gesprungen zu sein. Dieses Mal ist es wohl eher kein Unfall. Sag mal, ist das nicht das Haus der Familie Schweigert, es kam mir gleich so bekannt vor. Ja, du hast recht aber wie kommt er auf den Balkon? Eine Leiter ist weit und breit nicht zu sehen. Sieh mal nach oben, die Balkont\u00fcr ist offensichtlich nur angelehnt. La\u00df und klingeln gehen, um zu sehen, ob jemand zu Hause ist.<br \/>Sie l\u00e4uten an der T\u00fcr, klopfen und rufen, es macht niemand auf. Eine Frau, die gerade auf der Stra\u00dfe vorbei kommt, ruft ihnen zu, da ist um diese Zeit niemand. Die Tochter ist im Urlaub, Frau Schweigert ist auf Arbeit und den Freund habe ich vor gut zwei Stunden mit dem Auto wegfahren sehen. Sind sie ganz sicher, fragte Brohm noch einmal nach, ja, sie k\u00f6nnen es mir glauben, da ist niemand zu Hause. In der Zwischenzeit, es waren gut zwanzig Minuten vergangen, kam der Notarzt und auch die Feuerwehr mit einer Leiter. Sie schnitten den Strick durch und nahmen den Mann herunter. Herr Doktor, k\u00f6nnen sie schon Genaueres sagen?<br \/>Der Mann ist ungef\u00e4hr eine Stunde tot, das Genick ist gebrochen. Ist es sicher da\u00df er tot ist, wir haben da berechtigte Zweifel. Ja, mit Sicherheit, er nahm den Strick vom Hals und zeigte auf eine Stelle an der Halswirbels\u00e4ule. Hier, sehen sie, der Halswirbel ist nach au\u00dfen getreten, da besteht kein Zweifel, dieser Mann ist tot. Danke Doktor, alles Weitere dann wie immer mit dem Bericht zu uns.<br \/>Jetzt haben wir den Mann, haben eine richtige Leiche und wissen immer noch nicht mit Bestimmtheit Ob er sich nun umgebracht hat oder ob es Mord war. La\u00df uns doch mal in der Wohnung nachsehen, auf irgendeinem Weg mu\u00df er doch hier reingekommen sein. Wir warten aber erst auf die Kollegen von der Spurensicherung. Der Mitarbeiter der SpuSi machte ein paar Abdr\u00fccke von dem T\u00fcrschlo\u00df, fotografierte es und nahm Fingerabdr\u00fccke, dann \u00f6ffnete er mit einem kleinen speziellen Werkzeug die Haust\u00fcr, ohne das Schlo\u00df zu zerst\u00f6ren. Ganz sch\u00f6n leichtsinnig hier an der Stra\u00dfe die T\u00fcr nur in das Schlo\u00df fallen zu lassen. Da gen\u00fcgt nur etwas \u00dcbung und der richtige Dreh und schon ist ein Einbrecher im Haus. Ob er wohl so hineingekommen ist, fragte sich Wegner seinen Kollegen? Das werden uns die Kollegen von der Spurensicherung schon sagen, antwortete Brohm gelassen. Dem ersten Augenschein nach ist hier keine Gewalt angewendet worden, wir werden aber das Schlo\u00df noch zur KTU bringen und pr\u00fcfen lassen.<br \/>Als sie durch das Wohnzimmer in Richtung Balkon gingen viel ihnen auf, da\u00df die Balkont\u00fcr von innen ge\u00f6ffnet worden sein mu\u00df, denn der Riegel war unten und die T\u00fcr, wie von unten schon zu sehen, war nur angelehnt. Kollegen, wir m\u00fcssen wissen, ob diese T\u00fcr offen war oder wer sie zuletzt ge\u00f6ffnet hat. Das sollten wir anhand der Fingerabdr\u00fccke feststellen k\u00f6nnen, den Bericht habt ihr dann Morgen im B\u00fcro, sagte der Leiter der SpuSi.<br \/>Guten Morgen Karl-Heinz, auch schon da, grinste Wegner seinen Kollegen an. Ich habe mir schon mal die Unterlagen zum Fall K\u00f6rdhar angesehen, die SpuSi war flei\u00dfig und hat es tats\u00e4chlich bis heute fr\u00fch geschafft einen vorl\u00e4ufigen Bericht zu schicken. Erz\u00e4hl, was steht drin, fragte Brohm. H\u00f6r zu, die Eingangst\u00fcr zur Wohnung ist mit einem Originalschl\u00fcssel ge\u00f6ffnet worden, es gab keinerlei Spuren von Fremdeinwirkung. Es geht noch weiter, die Balkont\u00fcr ist von innen ge\u00f6ffnet worden und nach den uns vorliegenden Unterlagen sind die Fingerabdr\u00fccke auf der Klinke der Balkont\u00fcr nicht identisch mit denen von K\u00f6rdhar. Was sagst du nun? Brohm machte ein erstauntes Gesicht. Das hei\u00dft also, da\u00df K\u00f6rdhar nicht derjenige war, der die Balkont\u00fcr ge\u00f6ffnet hat. Entweder war sie schon offen als er in das Haus ging oder hier war noch eine zweite Person beteiligt. Also Mord, warf Wegner ein.<br \/>Die Haust\u00fcr ist nach Aussage der SpuSi mit einem Originalschl\u00fcssel ge\u00f6ffnet worden. Entweder hatte K\u00f6rdhar einen eigenen oder er wurde erwartet. Ich denke wir sollten uns den Freund von Frau Schweigert noch einmal vornehmen, vielleicht wei\u00df er mehr, als er bisher gesagt hat.<br \/>Es klopft an der T\u00fcr der beiden Kommissare. Herein, sagte Wegner laut. Die T\u00fcr ging auf und ein Polizist der benachbarten Wache trat ein. Was gibt es denn Schlegel, habe wir falsch geparkt, witzelte Brohm. Ich habe da einen Mann bei uns auf der Wache, den wir gestern am sp\u00e4ten Abend festgenommen haben. Er ist in Schlangenlinien mit seinem Auto fahrend angehalten worden. Auf gut deutsch, er war Sternhagel voll. Da haben ihn die Kollegen gleich mitgenommen zur Wache und in die Ausn\u00fcchterungszelle gesperrt. Ja und, was haben wir nun damit zu tun, hier ist die Mordkommission. Dazu wollte ich ja gerade kommen. Der Mann hat auf dem Weg zur Wache st\u00e4ndig etwas von, er wollte sie mir wegnehmen, da habe ich ihn eben geschupst, gefaselt. Und da ihr ja in dem Fall K\u00f6rdhar ermittelt, dachte ich mir, ihr k\u00f6nnt damit etwas anfangen. Es ist der Freund von Frau Schweigert, den Namen habe ich jetzt nicht behalten.<br \/>Das ist ja interessant, das w\u00fcrde ja bedeuten, da\u00df K\u00f6rdhar nicht allein war, als er den Strick um den Hals hatte. Wir kommen gleich bei euch vorbei, la\u00dft ihn blo\u00df nicht laufen, bevor wir da waren.<br \/>Am n\u00e4chsten Morgen, die beiden Kommissare sind in der Wache der Polizei angekommen, verh\u00f6ren sie den Mann. Sie geben also zu, den Herrn K\u00f6rdhar mit dem Strick erhangen und anschlie\u00dfend vom Gel\u00e4nder des Balkons gesto\u00dfen zu haben, fragte Brohm. Welchen K\u00f6rdhar und welchen Strick, fragte der Mann, immer noch schwer von seinem Kater gezeichnet. Ich wei\u00df \u00fcberhaupt nicht, wovon sie reden. Ich war gestern in meiner Stammkneipe und da gab es Streit mit einem Gast. Der wollte mir meine Bierflasche wegnehmen und da habe ich, wohl ein bisschen zu kr\u00e4ftig, geschubst, soda\u00df er vor den Tresen gefallen ist. Da hat der Wirt wohl die Polizei gerufen und die haben mich mitgenommen. Von einem K\u00f6rdhar und einem Strick wei\u00df ich nichts.<br \/>Wir werden ihre Angaben \u00fcberpr\u00fcfen, bis dahin bleiben sie erst einmal vorl\u00e4ufig festgenommen, wegen dringenden Tatverdachtes, den Herrn K\u00f6rdhar ermordet zu haben. Ihr k\u00f6nnt ihn wieder in sein Zelle bringen, sagte Hauptkommissar Wegner zu den Beamten.<br \/>Ich wei\u00df nicht, wenn der wirklich so betrunken war und sich mit dem Gast um eine Flasche Bier gepr\u00fcgelt hat, w\u00fcrde seine Aussage einen Sinn ergeben. La\u00df uns zu der Kneipe fahren und dort den Wirt fragen, wann und wie lange der Verd\u00e4chtige an dem Tag da war.<br \/>Kenne sie diesen Mann, fragen Wegner den Wirt. Ja, den kenne ich, der ist oft hier, trinkt meist einen zu viel und p\u00f6belt dann schon mal die G\u00e4ste an. Was war an dem besagten Abend? Ab wann war er hier bei ihnen. Das mu\u00df so gegen acht Uhr abends gewesen sein, meine Frau ist um diese Zeit gerade nach oben zu den Kindern gegangen, ja, es war gegen acht.<br \/>Das w\u00fcrde ja hei\u00dfen, er kommt als T\u00e4ter nicht in Frage, denn wir waren so gegen viertel zehn am Tatort, er aber seit acht in der Kneipe und der Todeszeitpunkt lag zwischen halb neun und neun, laut Aussage der Gerichtsmedizin. Also doch Selbstmord, fragte Gedankenverlorenen Brohm seinen Kollegen.<br \/>Fassen wir noch einmal zusammen, K\u00f6rdhar ist zwischen halb neun und neun gestorben, er hat sich am Balkongel\u00e4nder seiner ehemaligen Freundin mit einem handels\u00fcblichen Strick, den man in jedem Baumarkt bekommt erhangen &#8211; oder wurde erhangen, f\u00fcgte Wegner ein. Die Spurensicherung fand keinerlei Anzeichen von einem Einbruch in die Wohnung. Es wurden keine Fingerabdr\u00fccke an den T\u00fcren der Wohnung und an der Balkont\u00fcr von K\u00f6rdhar gefunden. Die Balkont\u00fcr war von innen ge\u00f6ffnet und nur angelehnt. Es gab keine Leiter, mit der er sich h\u00e4tte von unten aufh\u00e4ngen k\u00f6nnen, sonst w\u00e4re sie ja unter ihm liegen geblieben, es sei denn, er hatte einen Helfer, warf Wegner ein. Wie ist der Mann an dieses Balkongel\u00e4nder gekommen?<\/p>\n<p>Glei\u00dfende Sonne am Himmel, der Wagen f\u00e4hrt in einem ruhigen Tempo \u00fcber die von Winterreifen schon arg strapazierte Autobahn in Richtung Zentrum. Ich habe uns ein besonders sch\u00f6nes Zimmer mitten in der Stadt reservieren lassen. In diesem Hotel war ich selbst auch noch nicht, es wurde mir empfohlen. Der Weg f\u00fchrt \u00fcber Br\u00fccken, vorbei an Wasser, das die Stadt zu teilen versucht, bis hin zu einem, direkt am Wasser gelegenen Hotel. Wir sind angekommen, sagte ich zu Anka. Hier werden wir beide das Wochenende verbringen.<br \/>Nach dem Einchecken brachten wir unser Gep\u00e4ck nach oben und begutachteten unser Zimmer. Ein herrlicher Ausblick auf die alten, historischen Geb\u00e4ude der Stadt erschlo\u00df sich uns. Am Zimmer war ein Balkon, von dem aus man die gesamte Altstadt und einen Teil des F\u00e4hrhafens sehen konnte. Anka war gl\u00fccklich, ihre Augen strahlten wie zwei Sterne und sie gab mir einen langen, z\u00e4rtlichen Ku\u00df. La\u00df uns in die Stadt gehen, ich m\u00f6chte mir das alles von Dichtem besehen.<br \/>Kleine G\u00e4sschen er\u00f6ffneten uns eine Vielfalt von Gesch\u00e4ften, und gastronomischen Einrichtungen. Chinesische, einheimische und auch ein thail\u00e4ndisches Restaurant gab es hier. Chinesisch kann ich zu Hause essen, sagte Anka aber ich war noch nie in einem Thail\u00e4ndischen Restaurant, dann la\u00df uns hier hinein gehen, sagte ich und nahm sie an die Hand.<br \/>Auf der Karte konnte man die Gerichte nur in der Landessprache und in Englisch lesen. Wir suchten uns etwas aus und lie\u00dfen uns dann doch sicherheitshalber vom Kellner beraten. Er servierte uns einen Teller mit 4 verschieden So\u00dfen zu dem Gericht mit unterschiedlichen Dipps, dazu gab es Brot. Fangen sie am besten von links an, diese So\u00dfe ist nicht ganz so scharf, sie werden dann immer sch\u00e4rfer. Die Letzte m\u00fcssen sie nicht unbedingt ausprobieren, sagte er noch mit einem L\u00e4cheln, bevor er sich den anderen G\u00e4sten zuwandte.<br \/>Gesagt, getan, wir begannen also, wie empfohlen mit der \u201enicht ganz so scharfen\u201c So\u00dfe als Dipp. Wenn man in einem japanischen Restaurant die gr\u00fcne Wasabi Paste mit Sojaso\u00dfe streckt, dann hat man eine ungef\u00e4hre Geschmacksrichtung und Sch\u00e4rfe, wie So\u00dfe Nummer eins. Aber es wurde besser. So\u00dfe Nummer zwei, hatte die Sch\u00e4rfe einer Chilischote. Bei Nummer drei fehlte nur noch ein Feuerzeug und h\u00e4tte Flammen gespuckt, Nummer vier haben wir dann doch nicht mehr probiert. Dann kam der gr\u00f6\u00dfte Fehler, ich trank Mineralwasser zum \u201el\u00f6schen\u201c was so ungef\u00e4hr die Wirkung hat, wie Wasser auf brennendes Fett, man k\u00f6nnte explodieren. Der Kellner, der das Spektakel wohl beobachtet haben mu\u00df, riet mir dann, ich solle doch etwas von der Kokosmilch trinken, die er gleich im Vorfeld serviert hatte. Das unsere Rettung, denn auch Anka wollte ihr Wasser trinken, hatte sich aber angesichts meiner Mimik dann doch nicht getraut und griff jetzt auch zur Kokosmilch.<br \/>Noch eine gute Stunde sp\u00e4ter war mein Mund taub. Ich h\u00e4tte mir ohne Bet\u00e4ubung ein Zungenpiercing stechen lassen k\u00f6nnen, glaube ich, so ein Gef\u00fchl oder besser gesagt \u201eNichtgef\u00fchl\u201c hatte ich. Anschlie\u00dfend machten wir einen ausgiebigen Spaziergang, entlang an den historischen Geb\u00e4uden der Stadt, vorbei am Wasser, da\u00df zum F\u00e4hrhafen flo\u00df, hin zu unserem Hotel. Dort wieder zur\u00fcck, suchte Anka in ihrer Tasche nach etwas. Ich habe uns f\u00fcr heute Abend eine Flasche Wein mitgebracht. Wir machen es uns im Hotelzimmer gem\u00fctlich und du suchst uns einen sch\u00f6nen Film aus. Es wurde ein langer, wundersch\u00f6ner Abend, an dem der \u201eGeist des Weines\u201c einen nicht unwesentlichen Anteil hatte und unsere gemeinsame Lust aufeinander. Viel zu schnell verging dieses Wochenende, doch Anka mu\u00dfte wieder zur\u00fcck nach Hause.<\/p>\n<p>Ich bin noch einmal alle Fakten durchgegangen, Karl-Heinz, und habe auch noch einmal alle m\u00f6glichen Situationen, mit denen man sich erh\u00e4ngen k\u00f6nnte durchgespielt. An eine Variante haben wir noch nicht gedacht. Nehmen wir mal an, es war Selbstmord und K\u00f6rdhar hatte aber trotzdem Hilfe, also Beihilfe zum Selbstmord. Wenn er nun, statt wie wir die ganze Zeit angenommen haben nicht vom Balkon mit dem Seil um den Hals heruntergesprungen, mit einer Leiter von unten am Balkon angebunden und dann die Leiter weggesto\u00dfen, sondern auf einem Autodach gestanden hat und das Auto ist dann schnell unter ihm weggefahren. Dann w\u00fcrde es einen Komplizen geben, richtig? Ja, aber den w\u00fcrde es auch geben, w\u00e4re die Leiter im Spiel, denn der kann diese ja auch haben verschwinden lassen. Da hast du Recht, Karl-Heinz, aber wenn jemand um diese Zeit mit einer Leiter durch die Gegend l\u00e4uft, dann sollte er dabei gesehen worden sein. F\u00e4hrt aber ein Auto um diese Zeit weg, dann ist das nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches und niemand nimmt davon Notiz, nicht einmal, wenn es ein Kennzeichen ist, das nicht in die Region passen w\u00fcrde.<br \/>Also suchen wir ein Fahrzeug, das zwischen halb neun und neun hier in der Gegend weggefahren ist. Na, prima, geht das Ganze wieder von Vorne los. Vielleicht auch nicht, entgegnete Wegner, ich hab da so eine Idee. Wir gehen noch einmal zu den Schweigerts, la\u00df mich mal sehen, ob wir nicht mit einem kleinen Trick etwas mehr Licht in den Fall bringen k\u00f6nnen. Da bin ich aber gespannt, was du jetzt vor hast.<br \/>Sie mu\u00dfte mehrfach klingeln, da aber von unten Licht in der Wohnung zu sehen war, gaben sie nicht auf. Beide standen vor der Haust\u00fcr der Schweigerts und warteten, da\u00df ihnen ge\u00f6ffnet wird. Anka Schweigert \u00f6ffnete ihnen, was gibt es denn nun noch meine Herren? Wir haben da noch ein paar offene Punkte, \u00fcber die wir mit ihnen reden m\u00f6chten. Sind ihre Tochter und ihr Freund auch da, an sie h\u00e4tten wir auch noch Fragen? Ja, sind beide oben, kommen sie mit, sagte Anka Schweigert mit einem genervten Ton.<br \/>Die Herren Kommissare, kann ich ihnen etwas anbieten, fragte Narthelia h\u00f6fflich, sich einen b\u00f6sen Blick der Mutter einfangend. Ich mache ihnen einen Kaffee, wie beim letzten Mal oder m\u00f6chten sie etwas Anderes? Einen Kaffee, gern, antwortet Wegner, f\u00fcr mich auch bitte, schickte Brohm hinterher. Frau Anka Schweigert, sie waren doch in der besagten Zeit, in der Herr K\u00f6rdhar ums Leben kam hier im Dorf bei einer Bekannten, wenn ich das Protokoll richtig gelesen habe. K\u00f6nnen sie sich noch genau erinnern, wann sie zu ihr gegangen sind? Es mu\u00df so gegen acht Uhr abends gewesen sein, wir hatten uns auf ein Glas Wein verabredet. Mit der Uhrzeit sind sie sich absolut sicher? Ja, warum fragen sie, meine Freundin kommt immer um diese Zeit von der Arbeit und ich war ausnahmsweise mal etwas fr\u00fcher zu Hause.<br \/>Hatte es einen bestimmten Grund, warum sie an diesem Tag fr\u00fcher von der Arbeit kamen oder passiert das \u00f6fter? Das kommt schon ab und an vor, ich kann es aber selten beeinflussen, je nachdem was gerade im Gesch\u00e4ft los ist. Einen anderen Grund gab es daf\u00fcr also nicht? Nein, sagte ich doch bereits, sagte Anka Schweigert laut werdend.<br \/>Frau Narthelia Schweigert, sie haben angegeben, da\u00df sie zu der angegebenen Uhrzeit bei ihrem Freund waren, warum und warum zu dieser Uhrzeit? In der letzten Woche hatten wir beide etwas Stress miteinander, wir haben uns gestritten und ich wollte ihn mit einem kleinen Geschenk \u00fcberraschen, da bin ich von hieraus zu ihm gefahren.<br \/>Moment, sie sagten gefahren, im Protokoll habe ich aber gelesen, sie sind zu ihn gelaufen. Da mu\u00df ich mich geirrt haben, nein, ich bin gefahren, ich wollte das Geschenk nicht tragen, es war eine selbst gebackene Torte mit Kerzen drauf, ziemlich schwer f\u00fcr den ganzen Weg. Er freut sich doch so \u00fcber meine selbst gemachten Kuchen.<br \/>Und sie, Wegner richtete den Blick zum Freund von Anka Schweigert, sie waren doch mit ihrem Auto unterwegs und kamen erst gegen halb zehn hier an? Ja, soweit ich mich erinnern kann, ist das richtig. Wieso, soweit sie sich erinnern k\u00f6nnen, er hatte an diesem Tag was getrunken, wohl etwas zu viel, wie die Kollegen, bei der Vernehmung festgestellt hatte, unterst\u00fctze Brohm seinen Kollegen.<br \/>Sie sind also in einem angetrunkenen Zustand mit ihrem Auto gefahren und erz\u00e4hlen mir, sie k\u00f6nnen sich noch an die Uhrzeit erinnern, an der sie zu Hause waren. Gut, ich m\u00f6chte bitte die beiden Autos sehen, das von Ihnen und das von Ihnen Narthelia. Meins steht unten vor der T\u00fcr auf dem Parkplatz, sagte Narthelia. Ehm, meins ist in der Werkstatt und da ist um diese Zeit niemand mehr. Warum ist ihr Wagen in der Werkstatt, hatten sie einen Unfall, fragte Wegner. Nein, irgendwer ist auf meinem Dach herumgeturnt, jedenfalls ist es verbeult und Kratzer sind auch drauf.<br \/>Ich glaube das nicht, da suchen wir die ganze Zeit nach einer M\u00f6glichkeit, wie sich K\u00f6rdhar aufgehangen haben kann und sie kommen heute damit, da\u00df ihr Auto auf dem Dach verbeult ist. Mann, tobte Wegner, das kann doch alles nicht wahr sein. Haben sie den Namen von der Werkstatt und die Adresse, wir m\u00fcssen an den Wagen, bevor die Spuren beseitigt sind.<br \/>An der Werkstatt angekommen, treffen sie den Meister. Danke, da\u00df sie so schnell gekommen sind. Wir m\u00fcssen uns das Fahrzeug ansehen mit dem zerkratzten Dach. Kollegen, nehmt bitte alles an Spuren auf, was ihr finden k\u00f6nnt, auch an den T\u00fcren, stellt den Wagen auf den Kopf, ich will jedes Haar und jedes Staubkorn haben, das ihr finden k\u00f6nnt. Wegner war w\u00fctend, da\u00df ihm nicht schon fr\u00fcher der Gedanke mit dem Auto gekommen ist, \u00fcberlie\u00df aber f\u00fcrs Erste das Feld den Kollegen von der Spurensicherung.<br \/>Wir r\u00fccken f\u00fcr heute erst einmal ab, ihr schickt mir den Bericht bitte so schnell wie m\u00f6glich zu. Sie k\u00f6nnen f\u00fcr heute nach Hause gehen, sagte Brohm zum Freund von Anka Schweigert, aber sie halten sich zu unserer Verf\u00fcgung.<br \/>Da haben wir die wahrscheinliche L\u00f6sung so dich vor den Augen und kommen erst so sp\u00e4t darauf, sagte Wegner zu Brohm auf der Heimfahrt, wollen wir nur hoffen, da\u00df die SpuSi etwas Brauchbares findet.<br \/>Jetzt pa\u00df auf, sagte Brohm am n\u00e4chsten Morgen zu seinem Kollegen Wegner. Die SpuSi hat in dem Auto Spuren von mehreren Personen gefunden, von dem Freund von Frau Anka Schweigert, von Anka Schweigert und von Narthelia Schweigert und noch einen weiter, die wir aber nicht zuordnen k\u00f6nnen. Sie stammt aber auf jeden Fall von einem Mann. Sag jetzt nicht von K\u00f6rdhar, warf Wegner ein. Nein, dessen Spuren und DNA haben wir doch in der Datenbank, es gibt noch eine weitere Person und die m\u00fcssen wir jetzt finden. Vielleicht ist der ja unser M\u00f6rder oder Mitt\u00e4ter und eben auch nur ein Gehilfe.<br \/>La\u00df uns einen DNA Test im gesamten Dorf machen. Es kann ja sein, da\u00df wir Gl\u00fcck haben und die gesuchte Person ist unter den Bewohnern. Na auf die Ansprache von unserem Chef bin ich gespannt, der springt doch an die Decke, wenn er die Kosten und den Aufwand sieht, aber einen anderen Weg wei\u00df ich derzeit auch nicht, raunte Brohm zu Wegner.<br \/>Beide Kommissare gehen in das B\u00fcro ihres Vorgesetzten und unterbreiten ihm, was sie in ihrem Fall vorhaben. Sie sind wohl von allen guten Geistern verlassen, meine Herren, tobt Kriminalrat Scholtz. Ein solcher Aufwand und dann das Personal, da\u00df sie damit binden. Meinen Sie ich kann das rechtfertigen, wegen einem Selbstmord ? Herr Kriminalrat, Wegner versuchte ihn zu bes\u00e4nftigen, ob es ein Selbstmord oder doch ein Mord ist k\u00f6nnen wir derzeit nicht mit Gewissheit sagen. Die Spuren lassen beide Varianten offen und uns fehlt noch ein entscheidendes Puzzleteil. Und dazu brauchen sie gleich einen solchen Massentest in einem Dorf, da\u00df ist ja schlimmer, als bei einem Vergewaltiger. Wegner, ich hoffe nur, sie kommen zu einem greifbaren Ergebnis und schlie\u00dfen dann endg\u00fcltig den Fall ab, wetterte Scholtz, noch immer schlecht gelaunt. Melden Sie sich bei den entsprechenden Kollegen, ich schicke alles Notwendige per Mail gleich weiter.<br \/>Man hatte der Alte eine Laune, sagte Brohm zu Wegner, als sie wieder in ihrem B\u00fcro waren. Wenn das nicht klappt mit dem Test, dann m\u00f6chte ich nicht zu ihm gehen und im die Nachricht \u00fcberbringen. Wom\u00f6glich versetzt er mich dann zu den Streifenh\u00f6rnchen, witzelte Wegner.<br \/>Nach zwei Wochen, die Tests im Dorf waren abgeschlossen und bis auf eine \u00e4ltere Dame, die in Amerika ihren Sohn besuchen war, hatten alle Dorfbewohner daran teilgenommen, lagen die Ergebnisse auf dem Schreibtisch von Hauptkommissar Wegner.<br \/>Niemand, niemand aus dem Dorf kommt in Frage, die Spuren sind eindeutig, Wegner sch\u00fcttelte den Kopf. Wir haben alle M\u00e4nner und sogar die Frauen \u00fcberpr\u00fcfen lassen, es gibt keine \u00dcbereinstimmung mit den gefundenen DNA Spuren aus dem Wagen. Die Spurenlage war doch so, da\u00df es eine DNA gab, aber kein dazu passenden Finger oder Handabdr\u00fccke. Wenn der oder die Besagte nun Handschuhe getragen hat, die von einer andren Person stammen und darauf waren die fremden Spuren, \u00fcberlegte Brohm laut. Dann war der ganze Test umsonst, sagte Wegner w\u00e4hrend er seinen Kopf in den H\u00e4nden vergrub.<br \/>Das bedeutet, wir m\u00fcssen unseren Verd\u00e4chtigenkreis noch weiter ausdehnen. Nicht unbedingt, entgegnete Brohm. Nehmen wir mal an es handelte sich wirklich um Handschuhe, wer sagt uns denn, da\u00df nicht einer oder eine unserer Verd\u00e4chtigen diese getragen hat und nehmen wir mal weiter an, da\u00df die Spuren von einem Bekannten oder Freund stammen.<br \/>Du hast recht, die Tochter, Narthelia hatte doch einen Freund, der wohnt nicht im Dorf und den haben wir auch nicht spurentechnisch untersucht. Wir fahren sofort zu ihm, die Adresse von seiner Wohnung und dem Arbeitgeber haben wir, also, la\u00df uns einen Kollegen vom Labor mitnehmen. Guten Tag Herr Martens, wir hoffen, wir st\u00f6ren nicht, k\u00f6nnen wir reinkommen, fragte Kommissar Brohm, als sie beim Freund von Narthelia Schweigert klingelten und er die T\u00fcr \u00f6ffnete. Kommen Sie rein, meine Herren, sagte dieser h\u00f6flich, mit einer Geste der Hand bat er die Kommissare und den Kollegen des Labors in die Wohnung.<br \/>Wie kann ich ihnen helfen, ich habe sie doch bei meiner Freundin gesehen, kommen sie wegen dem Selbstmord in ihrem Dorf? Richtig, wir haben, wie sie sicherlich schon erfahren haben, einen DNA Test im gesamten Dorf durchgef\u00fchrt, weil wir in diesem Fall auf eine Spur gesto\u00dfen sind, die wir nicht zuordnen k\u00f6nnen. W\u00e4ren sie mit einem solchen Test einverstanden, sie k\u00f6nnten sich weigern, dann m\u00fc\u00dften wir einen Gerichtsbeschluss erwirken, wiederkommen und der Test w\u00fcrde dann durchgef\u00fchrt. Ich habe nichts zu verbergen, sagte Maik Martens, bitte, machen sie ihren Test. Der Kollege vom Labor holte den Speicheltest heraus, fuhr einmal mit einem langen Wattestab in der Mundh\u00f6hle langsam herum, fertig.<br \/>Wir k\u00f6nnen, sagte der Kollege vom Labor, ich bin fertig. Haben sie vielen Dank f\u00fcr ihre Kooperation, bedankte sich Hauptkommissar Wegner und die drei Herren verabschiedeten sich. Wir melden uns bei ihnen, sobald das Ergebnis vorliegt, schickte Kommissar Brohm bei der Verabschiedung kurz hinterher.<br \/>Treffer, wir haben die DNA, es ist die von Maik Martens, ich werde ihn gleich abholen lassen, strahlte Brohm, nachdem er das Ergebnis der Untersuchung gelesen hatte. H\u00e4ttest du das gedacht Ingo, da\u00df der Martens unser Gesuchter ist? Abwarten, erwiderte Wegner, ein Gef\u00fchl sagt mir, da\u00df er nicht unser Mann ist. Aber la\u00df ihn uns erst einmal vernehmen.<br \/>Herr Martens, wo waren sie an dem Tag, als der Tote am Balkongel\u00e4nder gefunden wurde? Ich war die ganze Woche im Ausland, mein Chef hat mich zu einem Seminar f\u00fcr Webdesign und Grafik nach London geschickt, die Flugtickets und die Unterlagen liegen bei mir zu Hause im Schreibtisch. Das k\u00f6nnen sie gern nachpr\u00fcfen. Wie erkl\u00e4ren sie sich dann aber, da\u00df wir ihre Spuren im Wagen des Freundes von Frau Anka Schweigert gefunden haben? Ich habe keine Ahnung. Hat irgendjemand Zugang zu ihrer Wohnung? Er hatte den Satz noch gar nicht zu Ende gesprochen, da schlug sich Hauptkommissar Wegner an die Stirn und sagte laut, nat\u00fcrlich, wir hatten es die ganze Zeit vor den Augen. Es ist so einfach, wenn man jetzt die Fakten zusammen hat, wir sind so blind gewesen.<br \/>Kannst du bitte mal mit mir vor die T\u00fcr kommen, sagte sein Kollege Brohm zu Wegner. Als beide au\u00dferhalb des Vernehmungsraums waren, sagte Brohm, Ingo, kannst du mich bitte mal teilhaben lassen an deinem Gedankenblitz. Karl-Heinz, du erinnerst dich noch an die Ausf\u00fchrungen von der Tochter, Narthelia? Wei\u00dft du noch, wie sie von K\u00f6rdhar gesprochen hat, wie sie f\u00fcr ihn teilweise Partei ergriffen hat, sie hat ihn gemocht, wahrscheinlich viel mehr, als sie uns zu verstehen gegeben hat. Du meinst, die beiden hatten ein Verh\u00e4ltnis. Bl\u00f6dsinn, sie hat ihn wirklich gemocht, sie hatte ihn als einen sehr guten Freund beschrieben, vielleicht hatte sie sich gew\u00fcnscht, da\u00df er der neue Ehemann an der Seite ihrer Mutter wird und dann kam die Trennung. Denke mal nach, sie hatte gesagt, da\u00df sie damit nicht zurecht gekommen ist, sie mu\u00dfte ihre Gef\u00fchle unterdr\u00fccken und dann die Bemerkung, als ich ihr sagte, er hat in der N\u00e4he eine ganze Zeit lang gearbeitet und sie sich an einen Mann erinnerte, der Ihr auf dem Weg zur Arbeit zugewunken hat. Sie hat ihm geholfen, sie hat es nicht mehr ertragen, wie sehr er sich gequ\u00e4lt hat. Das war kein Mord, da\u00df war ein Selbstmord, dessen bin ich mir jetzt sicher.<br \/>Herr Martens sie k\u00f6nnen gehen. In der Zwischenzeit hatte eine Mitarbeiterin die Angaben von Martens \u00fcberpr\u00fcft und die Kommissare informiert. Sie k\u00f6nne nach Hause, ein Kollege wird sie fahren. La\u00df uns Narthelia Schweigert noch einmal verh\u00f6ren, ich habe sie schon vorsorglich herbringen lassen.<br \/>Narthelia, ich darf doch Narthelia sagen, fragte Hauptkommissar Wegner h\u00f6flich und in einem betont ruhigen Ton. Wir haben mit ihrem Freund, Herrn Martens gesprochen. Seine Spuren hatten wir im Auto des Freundes ihrer Mutter gefunden. Ist er verd\u00e4chtig, fragte Narthelia Schweigert aufgeregt. Was glauben sie denn, richtete sich Kommissar Brohm neugierig fragend an sie. Ich wei\u00df nicht, aber ich denke nicht, er war doch in London zu einem Lehrgang zu der Zeit als K\u00f6rdhar starb. Sie senkte ihren Kopf und in ihrem Gesicht war Trauer zu erkennen. Narthelia, begann Wegner erneut, ich glaube, sie haben uns nicht alles erz\u00e4hlt. Jetzt w\u00e4re der richtige Moment, um sein Gewissen zu erleichtern. Ich glaube, da\u00df sie K\u00f6rdhar geholfen haben sich selbst das Leben zu nehmen.<br \/>Ich versuche mal zu rekonstruieren, wie es meiner Ansicht nach abgelaufen ist. Sie haben K\u00f6rdhar erkannt, als er ihnen Tag f\u00fcr Tag zugewunken hat. Sie haben sich irgendwann mit Ihm getroffen, haben \u00fcber alte Zeiten gesprochen und er hat ihnen Leid getan. Sie haben sich erinnert, an die Zeit, als sie noch eine Familie waren und wu\u00dften genau, da\u00df ihre Mutter nicht mehr einlenken w\u00fcrde. Das Gef\u00fchl in ihnen war so stark, da\u00df sie dem Flehen von K\u00f6rdhar nachgegeben haben, als er sie bat, ihm bei seinem Vorhaben zu helfen. Er hat sich auf das Auto des Freundes Ihrer Mutter gestellt, von dort aus kam er an das Gel\u00e4nder des Balkon heran, hat den Strick befestigt und kurz genug gehalten, soda\u00df beim Wegfahren gen\u00fcgend Freiraum zur Stra\u00dfe war und sie haben dann den Wagen schnell auf den Parkplatz gefahren.<br \/>War es so, fragte Wegner mit betont ruhiger Stimme.<br \/>Narthelia antwortet mit Tr\u00e4nen \u00fcberlaufenem Gesicht. Ja, ich konnte in nicht mehr leiden sehen, er wollte nicht mehr leben. Die Trennung von meiner Mutter, der &#8222;schnelle&#8220; neue Mann an ihrer Seite, das alles war zu viel f\u00fcr ihn, er hat es nie \u00fcberwunden, nicht richtig reagiert zu haben, als er es noch h\u00e4tte tun k\u00f6nnen.<br \/>Aber warum denn ausgerechnet hier. Er hat mir gesagt, er wollte sicher gehen, da\u00df es wirklich klappt, denn der Versuch mit dem Ger\u00fcst ist ja gr\u00fcndlich in die Hose gegangen. Er hatte sich mit der H\u00f6he versch\u00e4tzt und hierbei war er sich sicher. Es war alles zuvor geplant, der Strick, die L\u00e4nge, alles war ausgemessen, dieses sollte das letzte Mal und sicher sein.<br \/>Sie werden mit einer Anklage rechnen m\u00fcssen, Beihilfe zum Selbstmord ist leider nicht straffrei.<br \/>Bei ihrer Aktenlage, sie sind nicht auff\u00e4llig, haben keine Vorstrafen, leben in geregelten Verh\u00e4ltnissen, wird der Staatsanwalt wahrscheinlich sogar nur auf Bew\u00e4hrung pl\u00e4dieren. Sie k\u00f6nne vorerst gehen, d\u00fcrfen aber bis zur Verhandlung nicht verreisen und melden sich bitte t\u00e4glich bei ihrer n\u00e4chstgelegenen Polizeistation.<\/p>\n<p>Fortsetzung folgt . . .<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Aufschlag noch gesp\u00fcrt, das Gef\u00fchl von W\u00e4rme um den Kopf noch erlebt, schlie\u00dfe ich meine Augen . . . Hast du schon geh\u00f6rt, der ehemalige Freund von Anka ist ums Leben gekommen. Er soll von einem Ger\u00fcst gest\u00fcrzt sein, mit dem Kopf auf die Stra\u00dfe aufgeschlagen, kein sch\u00f6ner Anblick. 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