das Mondlicht

Es ist ein lauer Sommerabend. Die Sonne ist gerade untergegangen und hat am Horizont ein flammendes Meer in roten Farben hinterlassen.
Langsam wird es dunkel, nur der Mond erhellt noch die Nacht. Er zieht einen Silberstreifen über den See. Die Blätter in den Bäumen sehen aus wie kleine Silbertaler.
Am Ufer des Sees sind lange Schatten zu erkennen, mal sind es zwei, dann scheint es nur ein einzelner zu sein. Die Schatten spielen miteinander.
Der Mond zieht seine Bahn am Himmel und trifft auf diese Schatten. Man kann jetzt ganz deutlich zwei Gesichter von einem Jungen und einem Mädchen erkennen.
Der Junge macht große Augen, die im Mondlicht wie zwei Sterne funkeln.
Er hat langes, welliges Haar, das sich im Abendwind wiegt. Das Mädchen ist etwas kleiner, hat ein verschmitztes Lächeln im Gesicht, ihre Augen sind ständig in Bewegung. Mit ihrem „Bubikopf“ sieht sie richtig niedlich aus.
Immer wieder spielen ihre Lippen miteinander und leises Gelächter dringt an mein Ohr, so, als wollten sie niemanden stören und auch nicht entdeckt werden. Sie beginnen sich langsam auszuziehen, offensichtlich wollen sie im Schutz der Dunkelheit baden gehen. Und schon gehen sie auch Hand in Hand ins Wasser. Ihre Bewegungen zerreißen den Streifen auf dem Wasser und zeichnen bizarre Gebilde auf seine Oberfläche.
Irgendwo aus dem Dunklen hört man ein Käuzchen schreien. Ein Schwan zieht einsam und majestätisch seine Bahn. Der Ruf des Käuzchens scheint ihn gar nicht zu beeindrucken.
Plötzlich kommt Wind auf.
Die See wird unruhig. Das Silberband auf ihm ist zerrissen. Wie ein zerbrochener Spiegel sieht die Oberfläche jetzt aus. Unser Pärchen hat schon lange das Wasser verlassen und ist wohl nach Hause gegangen. Auch der Schwan hat im Schilfgürtel am Ufer Schutz gefunden.

Was von dieser Nacht übrigbleibt, ist die Musik des Windes in den Blättern der Bäume.